Centella Asiatica
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 3 |
Inhaltsverzeichnis
- Centella Asiatica
- Centella asiatica: Von ekzematischen Hautausschlägen (homöopathisches Arzneimittelbild) zu Schlaflosigkeit
Centella asiatica: Von ekzematischen Hautausschlägen (homöopathisches Arzneimittelbild) zu Schlaflosigkeit
Zusammenfassung
Centella asiatica ist in der Schweiz als homöopathisches Arzneimittel (Dercut, Tropfen zum Einnehmen) zugelassen, und zwar gemäss homöopathischem Arzneimittelbild bei ekzematischen Hautausschlägen. Das Modell sagt für Schlaflosigkeit eine mögliche Wirksamkeit voraus, ebenso für Angststörungen und Ein- und Durchschlafstörungen. Die Evidenz ist sehr gering: Für Schlaflosigkeit liegt nur eine einzige Studie an Zebrafischlarven vor, und es gibt keine registrierten klinischen Studien.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Gemäss homöopathischem Arzneimittelbild bei ekzematischen Hautausschlägen |
| Vorhergesagte neue Indikation | Schlaflosigkeit (Insomnie) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,94 % |
| Evidenzniveau | L5 (nur Modellvorhersage und eine präklinische Studie, keine Studien am Menschen) |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 1 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Der ursprüngliche Wirkmechanismus liegt für diese Auswertung nicht vor. Eine mechanistische Herleitung von der Hauterkrankung zur Schlaflosigkeit ist daher nicht möglich. Die Ähnlichkeit zwischen ursprünglicher und neuer Indikation wurde ebenfalls nicht bewertet.
Als einziger Anhaltspunkt dient eine Studie von 2024 an Zebrafischlarven. Darin wurde ein Ethanolextrakt von Centella asiatica in einem Schlaflosigkeitsmodell untersucht. Die Autoren beschreiben eine mögliche Beeinflussung des Orexin-Signalwegs sowie der Signalwege ERK, Akt und p38, die mit dem Wach-Schlaf-Rhythmus zusammenhängen.
Der hohe Vorhersagewert beruht allein auf einem Graphmodell. Die Übertragung von Zebrafischbefunden auf Schlaflosigkeit beim Menschen ist sehr unsicher. Die weiteren vorhergesagten Indikationen (Angst, Ein- und Durchschlafstörungen) stützen sich teils auf dieselbe Studie. Sie sollten nicht doppelt gewertet werden.
Klinische Studien
Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert
Literaturbelege
Für die Hauptindikation Schlaflosigkeit liegt eine Publikation vor. Ergänzend sind die wichtigsten Arbeiten zur zweitrangigen Vorhersage «Angst» aufgeführt.
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 38812527 | 2024 | Präklinisch (Zebrafisch) | F1000Research | Ethanolextrakt in einem Schlaflosigkeitsmodell; mögliche Hemmung von Orexin, ERK, Akt und p38 |
| 20677602 | 2010 | Klinische Studie (Angst) | Nepal Medical College Journal | 33 Teilnehmende mit generalisierter Angststörung erhielten 500 mg Extrakt zweimal täglich; Studiendesign und Ergebnisse im vorliegenden Auszug nicht vollständig ersichtlich |
| 42391143 | 2026 | Systematische Übersicht (Scoping Review) | Complementary Medicine Research | Gotu Kola, Phosphatidylcholin und Taurin bei Stimmungsstörungen; Studiendesign aus dem Titel nicht sicher beurteilbar |
| 40932246 | 2025 | Übersichtsarbeit | Annals of Medicine | Neuroprotektive, antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen bei neurologischen Erkrankungen |
| 38770167 | 2024 | Präklinisch (Maus) | Frontiers in Aging | Wasserextrakt verbesserte altersbedingten kognitiven Abbau und Angst bei Mäusen; Wirkung abhängig von Geschlecht, Dosis und Verabreichungsart |
| 41097248 | 2025 | Präklinisch (Maus) | Nutrients | Triterpene und Caffeoylchinasäuren tragen zur Kognitionsverbesserung bei, nicht aber zur angstlösenden Wirkung |
| 26848139 | 2016 | Präklinisch (Maus) | Phytotherapy Research | Schutz vor angstähnlichem Verhalten, oxidativem Schaden und Neuroinflammation nach Schlafentzug; mögliche Beteiligung von Stickstoffmonoxid |
| 27062315 | 2016 | In vitro | Chemical Biology & Drug Design | Triterpenoide (Asiatsäure, Madecassinsäure) wirken als selektive negative Modulatoren verschiedener GABA-A-Rezeptor-Subtypen |
| 16488124 | 2006 | Präklinisch (Ratte) | Phytomedicine | Extrakte und Asiaticosid auf angstlösende Eigenschaften in Verhaltensmodellen geprüft |
| 23653088 | 2013 | Übersichtsarbeit | CNS Drugs | Übersicht pflanzlicher Arzneimittel bei Angststörungen mit klinischer und präklinischer Evidenz |
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 55087 | Dercut, Tropfen zum Einnehmen (ebi-pharm ag) | Homöopathische Arzneimittel | Gemäss homöopathischem Arzneimittelbild bei ekzematischen Hautausschlägen |
Sicherheitshinweise
Für dieses Arzneimittel konnten keine Warnhinweise, Kontraindikationen oder Wechselwirkungen aus den vorliegenden Daten entnommen werden. Eine Abfrage zu Arzneimittelwechselwirkungen ergab keine Treffer.
Bitte beachten Sie die Fachinformation für Sicherheitsinformationen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Der sehr hohe Vorhersagewert beruht allein auf einem Graphmodell. Für Schlaflosigkeit gibt es nur eine einzige präklinische Zebrafischstudie und keine Daten am Menschen.
- Die Sicherheitsprüfung konnte nicht durchgeführt werden, weil Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Swissmedic-Fachinformation fehlen. Dieses Datenlücke blockiert das weitere Vorgehen.
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Die Fachinformation von Swissmedic herunterladen und auswerten (Warnhinweise, Kontraindikationen)
- Den Wirkmechanismus über DrugBank abfragen, um die mechanistische Verbindung beurteilen zu können
- Prüfen, ob eine homöopathische Zubereitung (Tropfen) mit Extrakten aus den Tierstudien überhaupt vergleichbar ist, da Dosis und Standardisierung unklar sind
- Kontrollierte klinische Studien am Menschen zu Schlaflosigkeit oder Schlafstörungen
- Für die Nebenindikation Angst: Die vorhandene kleine Studie (2010) und die Übersichtsarbeiten kritisch bewerten, bevor eine Weiterverfolgung erwogen wird
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.