Cisatracurium
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
Cisatracurium: Von Muskelrelaxans zu Cauda-equina-Syndrom
Zusammenfassung
Cisatracurium wird in der Schweiz als Muskelrelaxans eingesetzt, vor allem in der Anästhesie und auf der Intensivstation. Die Modellvorhersage nennt als mögliche neue Indikation das Cauda-equina-Syndrom, doch dafür gibt es weder klinische Studien noch Literatur und keinen erkennbaren Wirkmechanismus. Die Vorhersage beruht allein auf einem Modellwert (Evidenzniveau L5) und ist derzeit nicht belastbar.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Muskelrelaxans |
| Vorhergesagte neue Indikation | Cauda-equina-Syndrom |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,99 % |
| Evidenzniveau | L5 (nur Modellvorhersage) |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 1 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Die Vorhersage ist aus heutiger Sicht kaum plausibel. Zum Wirkmechanismus des Arzneimittels liegen in den zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Bekannt ist, dass Cisatracurium als nicht depolarisierendes Muskelrelaxans an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren der neuromuskulären Endplatte wirkt.
Das Cauda-equina-Syndrom ist ein neurologischer Notfall, der durch eine Kompression der Nervenwurzeln entsteht und chirurgisch durch Dekompression behandelt wird. Eine neuromuskuläre Blockade greift an dieser Ursache nicht an. Der sehr hohe Modellwert ist vermutlich ein Artefakt der Wissensgraph-Struktur und stützt sich auf keine klinischen oder publizierten Befunde.
Auch die weiteren vom Modell vorhergesagten Indikationen (u. a. Präeklampsie, neurogene Blase, Migräne, thrombotische Erkrankung, Reizdarmsyndrom) haben keinen therapeutischen Mechanismus. Die wenigen gefundenen Publikationen betreffen die Anwendung von Cisatracurium als Muskelrelaxans in der Anästhesie (z. B. Kaiserschnitt, Lebertransplantation), nicht die Behandlung dieser Erkrankungen.
Klinische Studien
Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert
Literaturbelege
Derzeit keine verwandte Literatur verfügbar
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 53677 | Nimbex 5 mg/2,5 ml, Injektionslösung (Aspen Pharma Schweiz GmbH) | Synthetika | Muskelrelaxans |
Sicherheitshinweise
- Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 61 Wechselwirkungen erfasst. Die wichtigsten:
- Schwerwiegend (Major): Kanamycin, Neomycin, Paromomycin, Polymyxin B, Streptomycin. Diese Antibiotika können die neuromuskuläre Blockade verstärken.
- Mittelschwer (Moderate): Amphotericin B (mehrere Formulierungen), Doxycyclin, Tetracyclin, Minocyclin, Magnesiumchlorid, Magnesiumsulfat, Mannitol, Metoclopramid, Vancomycin, topisches Neomycin.
- Gering (Minor): Ranitidin, Ranitidin (Bismutcitrat).
- Magnesiumsulfat ist besonders relevant bei Schwangeren mit Präeklampsie, da es die neuromuskuläre Blockade verstärkt.
Angaben zu Warnhinweisen und Kontraindikationen aus der Fachinformation liegen nicht vor. Bitte beachten Sie die Fachinformation für Sicherheitsinformationen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Es gibt keine klinischen Studien oder Literatur zur vorhergesagten Indikation und keinen plausiblen Wirkmechanismus. Der hohe Modellwert allein genügt nicht.
- Auch die übrigen vorhergesagten Indikationen zeigen keinen therapeutischen Nutzen, sondern höchstens die Anwendung des Arzneimittels als Muskelrelaxans bei betroffenen Patientinnen und Patienten.
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Auswertung der Fachinformation von Swissmedic (Warnhinweise und Kontraindikationen), da die Sicherheitsprüfung sonst nicht möglich ist
- Ergänzung des Wirkmechanismus aus DrugBank
- Präklinische oder klinische Belege, die einen therapeutischen Nutzen bei einer der vorhergesagten Erkrankungen plausibel machen
- Klärung, ob eine intravenöse Anwendung bei der vorhergesagten Erkrankung überhaupt sinnvoll wäre
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.