Aspartic Acid
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 1 |
Inhaltsverzeichnis
Asparaginsäure: Von parenteraler Ernährung zu renaler tubulärer Azidose
Zusammenfassung
Asparaginsäure ist eine nicht essenzielle Aminosäure und wird in der Schweiz als Bestandteil von Infusionslösungen zur parenteralen Ernährung eingesetzt. Das Vorhersagemodell TxGNN sieht einen möglichen Nutzen bei renaler tubulärer Azidose (RTA), obwohl der Vorhersagewert sehr hoch ist. Es gibt jedoch keine klinischen Studien und keine Literatur, die einen therapeutischen Nutzen belegt. Die Evidenz beschränkt sich damit auf die Modellvorhersage (L5).
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Parenterale Ernährung |
| Vorhergesagte neue Indikation | Renale tubuläre Azidose |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,5 % |
| Evidenzniveau | L5 (nur Modellvorhersage, keine tatsächlichen Studien) |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 6 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Der Wirkmechanismus von Asparaginsäure ist in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten nicht verfügbar. Bekannt ist, dass sie als nicht essenzielle Aminosäure in Infusionslösungen zur Ernährung dient.
Die renale tubuläre Azidose entsteht meist durch Störungen des Säure-Basen-Transports in der Niere, zum Beispiel durch Mutationen des Anionenaustauschers SLC4A1 bei der distalen Form oder durch einen Bikarbonatverlust bei der proximalen Form. Behandelt wird mit Alkalisierung (Bikarbonat oder Citrat), nicht mit Aminosäuren.
Eine mögliche indirekte Verbindung betrifft die renale Ammoniakbildung und den Aminosäurestoffwechsel im proximalen Tubulus, wie eine Arbeit von 1965 nahelegt. Dieser Zusammenhang ist spekulativ und zeigt nicht, dass Asparaginsäure therapeutisch wirkt. Der hohe Vorhersagewert wird daher durch keinen belegten Mechanismus gestützt.
Klinische Studien
Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert
Literaturbelege
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 26208211 | 2015 | Diagnostische Studie | Jornal de pediatria | Genetische Diagnose der distalen RTA bei vier Kindern mittels Exomsequenzierung; kein Bezug zu Asparaginsäure. |
| 6422151 | 1983 | Fallbericht | Journal of inherited metabolic disease | Neugeborenes mit Pyruvatcarboxylase-Mangel, proximaler RTA und Cystinurie. Das Kind gedieh, nachdem die Ernährung unter anderem mit Asparaginsäure, Asparagin und Glutamin ergänzt wurde. Dies betrifft eine seltene Stoffwechselerkrankung und ist keine Evidenz für die RTA allgemein. |
| 20068363 | 2010 | Genetische Fallserie | Nephron. Physiology | Beschreibung der klinischen und genetischen Merkmale der distalen RTA bei philippinischen Kindern mit SLC4A1-Mutationen. |
| 14301365 | 1965 | Grundlagenstudie | The American Journal of Physiology | Grundlagenarbeit zur renalen Ammoniakbildung; kein Abstract verfügbar. |
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 65450 | Aminoplasmal B. Braun 10%, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 65726 | Omegaflex special ohne Elektrolyte, Emulsion zur Infusion 625 ml | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 59377 | OLIMEL 4,4 % ohne Elektrolyte, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 42847 | Nutriflex special, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 47614 | Nutriflex Peri, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 51671 | Nutriflex plus, Infusionslösung 1000 ml | Synthetika | Parenterale Ernährung |
Sicherheitshinweise
- Mögliche Kontraindikationen (aus dem Wissensgraphen, nicht aus der Fachinformation): Nierenerkrankung, Pyoureter, Durchfallerkrankungen (auch chronisch), atrioventrikulärer Block, hyperkaliämische periodische Paralyse, periodische Paralyse, Hypoaldosteronismus, Myotonia congenita, Gastroparese. Diese Angaben stammen aus Beziehungen im TxGNN-Wissensgraphen (PrimeKG) und nicht aus Packungsbeilagen. Sie müssen anhand der Fachinformation überprüft werden.
- Besonders zu beachten ist die Nierenerkrankung, da die vorhergesagte Indikation selbst die Niere betrifft.
Bitte beachten Sie die Fachinformation für weitere Sicherheitsinformationen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Der Vorhersagewert ist sehr hoch, aber es gibt weder klinische Studien noch Literatur, die einen Nutzen belegt. Die Standardtherapie der RTA ist die Alkalisierung, und der postulierte Zusammenhang ist rein spekulativ.
- Die Sicherheitsdaten fehlen. Der Wissensgraph nennt zudem Nierenerkrankungen als mögliche Kontraindikation, was für eine Anwendung bei RTA kritisch ist.
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Fachinformation von Swissmedic (Warnungen und Kontraindikationen), um die Sicherheit zu prüfen
- Wirkmechanismus aus DrugBank, um einen möglichen mechanistischen Zusammenhang zu analysieren
- Präklinische Daten oder Mechanismusstudien, die einen Nutzen von Asparaginsäure bei RTA stützen
- Klärung, ob die Verabreichungswege für die neue Indikation geeignet sind
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.