Calcipotriol

Evidenzniveau: L3 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Calcipotriol
  2. Calcipotriol: Von Psoriasis vulgaris zu seborrhoischer Keratose
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literaturbelege
    6. Marktinformationen Schweiz
    7. Sicherheitshinweise
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Calcipotriol: Von Psoriasis vulgaris zu seborrhoischer Keratose

Zusammenfassung

Calcipotriol ist ein topisch angewendetes Vitamin-D3-Analogon, das in der Schweiz zur Behandlung der Psoriasis zugelassen ist. Es könnte voraussichtlich auch bei seborrhoischer Keratose (einem gutartigen Hauttumor der Oberhaut) wirksam sein. Die Evidenz beschränkt sich auf kleine klinische Studien und Fallberichte; registrierte klinische Studien liegen nicht vor.


Kurzübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Psoriasis vulgaris / Psoriasis
Vorhergesagte neue Indikation Seborrhoische Keratose
TxGNN-Vorhersagewert 99,96 %
Evidenzniveau L3
Marktstatus Schweiz Im Handel
Anzahl Zulassungen 9
Empfohlene Entscheidung Mit Vorsicht fortfahren

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Für den Wirkmechanismus liegen in den zusammengestellten Daten keine Angaben aus der Arzneimitteldatenbank vor. Aus der Literatur ist jedoch bekannt: Calcipotriol ist ein Vitamin-D3-Analogon, das über den Vitamin-D-Rezeptor wirkt. Es hemmt die Vermehrung von Keratinozyten, fördert deren Ausreifung und kann Apoptose (programmierten Zelltod) auslösen.

Psoriasis und seborrhoische Keratose haben eine Gemeinsamkeit: In beiden Fällen kommt es zu einer übermässigen Vermehrung der Zellen der Oberhaut. Deshalb ist es plausibel, dass die antiproliferative Wirkung von Calcipotriol auch bei dieser gutartigen Wucherung greift. Hinweise darauf liefern eine Fallserie von 2023 (Gesichtsläsionen) sowie eine Untersuchung von 2005, die eine Apoptose-Induktion bei sogenannten Alterswarzen beschreibt.

Die Aussagekraft ist jedoch begrenzt, da die Studiendesigns nur anhand der Titel eingeschätzt werden konnten.


Klinische Studien

Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert


Literaturbelege

PMID Jahr Typ Zeitschrift Wichtige Ergebnisse
36752725 2023 Fallserie (12 Patienten) The Australasian Journal of Dermatology Calcipotriol-Salbe 0,005 % bei flacher seborrhoischer Keratose im Gesicht; Behandlung über 3–8 Monate führte zur vollständigen Rückbildung der Läsionen; Remission über 6–10 Jahre.
16043912 2005 Klinische Studie / Mechanismus The Journal of Dermatology Topische Vitamin-D3-Präparate (Tacalcitol, Calcipotriol, Maxacalcitol) bei Alterswarzen; unter 116 über 3–12 Monate behandelten Fällen sprachen 35 (30,2 %) an; mögliche Apoptose-Induktion.
15577148 2004 Bericht / Übersicht (nicht englisch) Clinical Calcium Beschreibt die Behandlung von Alterswarzen mit aktiven topischen Vitamin-D3-Formen, ein- bis zweimal täglich angewendet.
10721662 2000 Fallbericht The Journal of Dermatology Deutliches Ansprechen einer Keratosis lichenoides chronica auf Calcipotriol-Salbe (verwandte, aber andere Erkrankung).

Marktinformationen Schweiz

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
68598 CRYSALIS Leman, Pommade Synthetika Psoriasis
61201 Daivobet, Gel Synthetika Psoriasis
55800 Daivobet, Salbe Synthetika Psoriasis
69482 Crysalis Leman, Gel Synthetika Psoriasis
65893 Enstilar, Schaum zur Anwendung auf der Haut Synthetika Psoriasis vulgaris
67932 Psotriol, Salbe Synthetika Psoriasis
65269 Calcipotriol-Betamethason-Mepha, Salbe Synthetika Psoriasis
68917 Wynzora 50 μg/g + 0.5 mg/g, Crème Synthetika Psoriasis
58786 Xamiol, Gel Synthetika Psoriasis

Sicherheitshinweise

  • Kontraindikationen laut Wissensgraph (aus Arzneimittel-Krankheits-Beziehungen, nicht aus der Fachinformation): Erkrankungen des Kalzium- und Phosphorstoffwechsels (u. a. Hyperkalzämie, Nephrokalzinose, Hypervitaminose, Kalziphylaxie, Kalzinose), Nebennierenrindeninsuffizienz bzw. Morbus Addison, Hautatrophie, Teleangiektasien und Gefässerkrankungen (u. a. hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie, periphere arterielle Verschlusskrankheit), verschiedene Ichthyose-Formen, Morbus Darier, Pseudoxanthoma elasticum, Mongolenfleck sowie Psoriasis guttata.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Für 84 Wechselwirkungen liegen Einträge vor, jedoch ohne Schweregrad. Beispiele sind Acetylsalicylsäure, Bupropion, Pantoprazol, Doxycyclin, Morphin, Metformin, Omeprazol, Simvastatin sowie Kortikosteroide (Triamcinolon, Prednison, Hydrocortison, Prednisolon).

Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Swissmedic-Fachinformation lagen nicht vor. Bitte beachten Sie die Fachinformation für Sicherheitsinformationen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Mit Vorsicht fortfahren

Begründung:

  • Der Vorhersagewert ist sehr hoch, und kleine klinische Studien sowie Fallberichte stützen die Anwendung bei seborrhoischer Keratose. Es fehlen jedoch kontrollierte, registrierte Studien, und die Sicherheitsdaten aus der Fachinformation sind unvollständig.

Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:

  • Fachinformation von Swissmedic (Warnhinweise und Kontraindikationen) beschaffen und auswerten
  • Wirkmechanismus aus der Arzneimitteldatenbank ergänzen
  • Studiendesigns der Literatur anhand der Volltexte prüfen
  • Kontrollierte, möglichst randomisierte Studie zur seborrhoischen Keratose planen
  • Schweregrade der Arzneimittelwechselwirkungen klären

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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