Camphor
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
Campher: Von homöopathischer Anwendung bei Herz-Kreislauf-Störungen zu Migräne
Zusammenfassung
Campher wird in der Schweiz als homöopathisches Arzneimittel (Korolind, Tropfen zum Einnehmen) zur Besserung des Befindens bei Herz-Kreislauf-Störungen eingesetzt. Das Modell sagt voraus, dass es bei Migräne wirksam sein könnte. Die Evidenz ist sehr dünn: Es liegen keine klinischen Studien vor, nur wenige Fallberichte zu Clusterkopfschmerz und eine tierexperimentelle Arbeit.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Gemäss homöopathischem Arzneimittelbild zur Besserung des Befindens bei Herz-Kreislauf-Störungen |
| Vorhergesagte neue Indikation | Migräne (migraine disorder) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,85 % |
| Evidenzniveau | L4 (präklinische bzw. Mechanismusstudien) |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 1 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus von Campher liegen in den zusammengestellten Daten keine Angaben aus der Arzneimitteldatenbank vor. Die Analyse stützt sich daher auf die in der Literatur beschriebenen Eigenschaften: Campher moduliert TRPV1- und TRPM8-Kanäle und wirkt gegenreizend (counter-irritant) sowie sensorisch desensibilisierend. Diese Eigenschaften sind für die Schmerzbahnen des Trigeminusgefässsystems potenziell relevant.
Die ursprüngliche Indikation (Herz-Kreislauf-Beschwerden) und Migräne haben eine gemeinsame vaskuläre Komponente. Eine tierexperimentelle Arbeit aus dem Jahr 2026 berichtet, dass natürliches (+)-Campher eine durch Reserpin ausgelöste Migräne mit lokalem zerebralem Gefässkrampf lindert, möglicherweise über den p38β-MAPK/ATF2-Signalweg. Dies deutet auf einen gefässmodulierenden Effekt hin.
Wichtig: Direkte Belege am Menschen fehlen. Die beiden Fallberichte und die Fallserie betreffen Clusterkopfschmerz, eine andere Kopfschmerzerkrankung, und beschreiben Campher-haltige ätherische Öle in Zahnpasta eher als Auslöser von Kopfschmerzen. Dass Campher auch im Mutterkraut (Tanacetum parthenium), einem traditionellen Migränemittel, enthalten ist, belegt keine Wirksamkeit.
Klinische Studien
Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert.
Literaturbelege
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 42849823 | 2026 | Präklinisch (Tiermodell) | Journal of Ethnopharmacology | Natürliches (+)-Campher lindert im Tiermodell reserpininduzierte Migräne mit lokalem zerebralem Gefässkrampf, vermutlich über Hemmung des p38β-MAPK/ATF2-Signalwegs. Design und Ergebnisse sollten anhand der Originalarbeit überprüft werden. |
| 34373243 | 2021 | Fallbericht | BMJ Case Reports | Zwei Fälle von Clusterkopfschmerz im zeitlichen Zusammenhang mit Zahnpasta, die ätherische Öle von Campher und Eukalyptus enthielt. |
| 35856604 | 2022 | Fallserie | Headache | Fünf Fälle von Clusterkopfschmerz nach Verwendung von Zahnpasta mit krampffördernden ätherischen Ölen. Solche Öle können Krampfanfälle auslösen und Migräne verschlechtern. |
| 27324458 | 2016 | Analytische Chemie | Biomedical Chromatography | Methode zur Bestimmung des Campher-Gehalts im ätherischen Öl des Mutterkrauts; keine klinischen Daten. |
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 66762 | Korolind, Tropfen zum Einnehmen | Homöopathische Arzneimittel | Gemäss homöopathischem Arzneimittelbild zur Besserung des Befindens bei Herz-Kreislauf-Störungen |
Sicherheitshinweise
- Hinweis aus der Literatur: Die Fallberichte und die Fallserie beschreiben Campher-haltige ätherische Öle mit krampffördernden Eigenschaften als mögliche Auslöser von Kopfschmerzen. Eine Tierstudie zur akuten oralen Toxizität von essbarem Campher (Ratten) weist zudem auf ein Sicherheitsrisiko bei oraler Aufnahme hin.
- Arzneimittelwechselwirkungen: In der Datenbankabfrage wurden keine Wechselwirkungen gefunden.
Bitte beachten Sie die Fachinformation für die vollständigen Sicherheitsinformationen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Der hohe Vorhersagewert wird nur durch eine einzelne Tierstudie und schwache, indirekte Fallberichte gestützt. Humandaten zu Migräne fehlen, und die Sicherheitsdaten sind unvollständig.
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Prüfung der Originalarbeit PMID 42849823 (Studiendesign, Dosierung, Ergebnisse)
- Ergänzung der Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Swissmedic-Fachinformation
- Ergänzung des Wirkmechanismus aus der Arzneimitteldatenbank
- Bewertung der Sicherheit bei oraler Anwendung, insbesondere des Krampfrisikos
- Bei positivem Befund: präklinische Bestätigung und anschliessend eine kleine klinische Pilotstudie zu Migräne
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.