Clioquinol

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 7

Inhaltsverzeichnis

  1. Clioquinol
  2. Clioquinol: Von Allergiediagnostik zu kutaner Candidiasis
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literaturbelege
    6. Marktinformationen Schweiz
    7. Sicherheitshinweise
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Clioquinol: Von Allergiediagnostik zu kutaner Candidiasis


Zusammenfassung

Clioquinol ist in der Schweiz als Bestandteil eines Pflaster-Testsystems (True Test) zur Diagnose von Allergien zugelassen. Das Berechnungsmodell sagt voraus, dass es bei kutaner Candidiasis und weiteren oberflächlichen Pilzinfektionen der Haut wirken könnte. Diese Vorhersage beruht ausschliesslich auf einer Modellberechnung: Für die Hauptvorhersage liegen weder klinische Studien noch Literatur vor.


Kurzübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Diagnose von Allergien
Vorhergesagte neue Indikation Kutane Candidiasis
TxGNN-Vorhersagewert 99,8 %
Evidenzniveau L5 (nur Modellvorhersage)
Marktstatus Schweiz Im Handel
Anzahl Zulassungen 1
Empfohlene Entscheidung Abwarten

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus des Arzneimittels liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Clioquinol ist jedoch ein halogeniertes Hydroxychinolin. Aus der Fachliteratur ist bekannt, dass solche Substanzen über die Bindung von Metallionen (Zink, Kupfer, Eisen) antimykotisch und antibakteriell wirken können, indem sie pilzeigene Enzyme stören. Dies ist gegen Candida-Arten biologisch denkbar.

Die ursprüngliche Indikation (Allergiediagnostik im Epikutantest) hat mit der vorhergesagten Indikation (Pilzinfektion der Haut) therapeutisch wenig gemeinsam. Die Verbindung besteht vor allem darin, dass Clioquinol auf der Haut angewendet wird. Eine frühere therapeutische Anwendung auf der Haut ist in den vorliegenden Daten nicht belegt und zählt daher nicht als Evidenz.

Auch für die weiteren vorhergesagten Erkrankungen (Majocchi-Granulom, Ektothrix- und Endothrix-Infektionen, Dermatophytose der Kopfhaut/des Bartes, Tinea profunda, oberflächliche Mykose) stützt sich die Begründung auf die allgemeine antimykotische Wirkung. Bei tiefen oder follikulären Infektionen ist zudem fraglich, ob ein topisch angewendeter Wirkstoff ausreichend eindringt; hier sind üblicherweise systemische Antimykotika Standard. Die identischen Werte bei Majocchi-Granulom und Ektothrix-Infektion deuten auf eine gemeinsame graphbasierte Ableitung statt auf indikationsspezifische Evidenz hin.


Klinische Studien

Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert.


Literaturbelege

Für die Hauptvorhersage (kutane Candidiasis) ist derzeit keine verwandte Literatur verfügbar. Für die oberflächliche Mykose (Rang 5, Vorhersagewert 99,2 %) liegt eine Publikation vor:

PMID Jahr Typ Zeitschrift Wichtige Ergebnisse
33772895 2021 Präklinische Kombinationsstudie (aus dem Titel abgeleitet, Volltext nicht geprüft) Mycoses Untersuchung von Wirkung und Toxizität von Clioquinol in Kombination mit Ciclopirox und Terbinafin in alternativen Modellen der Dermatophytose. Frühere Arbeiten der Gruppe sehen Clioquinol als mögliche Alternative bei Dermatophytose. Der Abstract ist unvollständig, konkrete Ergebnisse sind daher nicht beurteilbar.

Diese Studie ist nur indirekte, präklinische Evidenz. Sie stützt eine Forschungsfrage zur Kombinationstherapie, aber keine klinische Anwendung.


Marktinformationen Schweiz

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
56688 True Test, Pflaster Allergen: Diagnostikum Diagnose von Allergien

Hersteller: Stallergenes AG.


Sicherheitshinweise

  • Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (aus Beziehungen im TxGNN-Wissensgraphen, nicht aus der Fachinformation): Nebennierenrindeninsuffizienz, Morbus Addison, Hautatrophie, Teleangiektasien, Kapillarerkrankungen, hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie, periphere Gefässerkrankung, Claudicatio intermittens und periphere arterielle Verschlusskrankheit.
  • Für Arzneimittelwechselwirkungen wurden keine Einträge gefunden.

Warnhinweise und Kontraindikationen der Schweizer Fachinformation liegen nicht vor. Bitte beachten Sie die Fachinformation für Sicherheitsinformationen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Abwarten

Begründung:

  • Die Vorhersage zur kutanen Candidiasis ist rein rechnerisch (L5) und hat keine Studien- oder Literaturbasis. Für die oberflächliche Mykose gibt es lediglich eine präklinische Studie (L4).
  • Die Sicherheitsdaten aus der Fachinformation fehlen, und der Wissensgraph nennt mehrere hautbezogene und gefässbezogene Kontraindikationen. Die Zulassung betrifft zudem nur ein Diagnostikum, nicht eine therapeutische Anwendung.

Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:

  • Fachinformation von Swissmedic (Warnhinweise, Kontraindikationen) herunterladen und auswerten
  • Wirkmechanismus aus DrugBank ergänzen
  • Systematische Literatursuche zu Clioquinol bei Candidiasis und Dermatophytosen, inklusive früherer topischer Anwendungen
  • Prüfung der Verträglichkeit und Hautdurchdringung einer therapeutischen topischen Formulierung
  • Bei positivem Ergebnis: präklinische bzw. frühe klinische Studien, zunächst für die oberflächlichen Indikationen (kutane Candidiasis, oberflächliche Mykose) statt für tiefe oder follikuläre Infektionen

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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