Glutamic Acid
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 4 |
Inhaltsverzeichnis
Glutaminsäure: Von Tonikum und parenteraler Ernährung zu postmenopausaler Osteoporose
Zusammenfassung
Glutaminsäure wird in der Schweiz als Tonikum und als Bestandteil von Infusionslösungen zur parenteralen Ernährung eingesetzt. Die Vorhersage lautet, dass sie bei postmenopausaler Osteoporose wirksam sein könnte. Diese Vorhersage beruht allein auf einem Modell. Es gibt keine registrierten klinischen Studien, und die Literatur ist überwiegend indirekt (Vitamin D3/K2, Polyglutaminsäure, Tierversuch).
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Tonikum; parenterale Ernährung |
| Vorhergesagte neue Indikation | Postmenopausale Osteoporose |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,3 % |
| Evidenzniveau | L4 (nur präklinische bzw. indirekte Hinweise, keine direkten Humanstudien) |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 7 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus von Glutaminsäure liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Daher kann der Mechanismus hier nicht im Detail analysiert werden.
Ein möglicher Zusammenhang besteht über den Knochenstoffwechsel. In der Literatur wird beschrieben, dass Vitamin K Glutaminsäurereste in Knochenproteinen (z. B. Osteocalcin) in γ-Carboxyglutaminsäure umwandelt. Dieser Vorgang betrifft jedoch Glutaminsäurereste in Proteinen und belegt keine Wirkung von freier Glutaminsäure als Arzneimittel.
Die beiden am ehesten relevanten Arbeiten sind ein Mausversuch und eine kleine Humanstudie. In ovariektomierten Mäusen linderte Glutaminsäure menopausenähnliche Symptome. Poly-γ-Glutaminsäure, ein Polymer und nicht die freie Aminosäure, beeinflusste akut die Calciumaufnahme bei postmenopausalen Frauen. Ein Nutzen von freier Glutaminsäure beim Menschen ist damit nicht gezeigt.
Klinische Studien
Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert
Literaturbelege
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 19172219 | 2009 | Randomisierte offene Studie (109 Patientinnen) | Journal of Bone and Mineral Metabolism | Menatetrenon (Vitamin K2) erhöhte über 6 Monate die γ-Carboxylierung von Osteocalcin bei postmenopausaler Osteoporose. Indirekt, keine Glutaminsäure. |
| 18187428 | 2007 | Kleine physiologische Humanstudie | Journal of the American College of Nutrition | Poly-γ-Glutaminsäure (Polymer) untersuchte die akute Wirkung auf die Calciumaufnahme bei postmenopausalen Frauen. Nicht freie Glutaminsäure. |
| 26144993 | 2015 | Tierstudie (ovariektomierte Mäuse) | Nutrition Research | Glutaminsäure linderte östrogenmangelbedingte menopausenähnliche Symptome. |
| 14529146 | 2003 | Klinische Studie/Übersicht | Keio Journal of Medicine | Vitamin D3 und/oder K2 bei postmenopausaler Osteoporose. Indirekt. |
| 14584089 | 2003 | Klinische Studie/Übersicht | Yonsei Medical Journal | Kombination aus Vitamin K2 und Bisphosphonat bei Osteoporose. Indirekt. |
| 34529430 | 2021 | Präklinisch | Nano Letters | Knochenzielende Polymerbläschen (mit Glutaminsäure-Bausteinen) für die Abgabe von Östradiol. Indirekt. |
| 29437025 | 2018 | Genetische Assoziationsstudie | Endocrine, Metabolic & Immune Disorders Drug Targets | Zusammenhang des VKORC1-Polymorphismus mit Osteoporose bei postmenopausalen Frauen. Indirekt. |
| 40950804 | 2025 | Kohorte/Metabolomik | Journal of Diabetes and Metabolic Disorders | Aminosäureprofile, Alter und Sexualhormone bei älteren Personen im Iran. Indirekt. |
| 18414001 | 2008 | Genetische Studie | Molecules and Cells | SLC22A11-Polymorphismen bei koreanischen Frauen mit Osteoporose. Indirekt. |
| 39698319 | 2024 | Präklinisch | Frontiers in Cellular and Infection Microbiology | Pflanzliche Salbe und Darmmikrobiom-Knochen-Achse bei postmenopausaler Osteoporose. Indirekt. |
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 20550 | Veractiv Tonoglutal, Filmtabletten | Synthetika | Tonikum |
| 65450 | Aminoplasmal B. Braun 10 %, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 65726 | Omegaflex special ohne Elektrolyte, Emulsion zur Infusion 625 ml | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 59377 | OLIMEL 4,4 % ohne Elektrolyte, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 42847 | Nutriflex special, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 47614 | Nutriflex Peri, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 51671 | Nutriflex plus, Infusionslösung 1000 ml | Synthetika | Parenterale Ernährung |
Sicherheitshinweise
- Krankheiten mit möglicher Kontraindikation (aus dem Wissensgraphen, nicht aus der Fachinformation):
- Nieren: Nierenerkrankung, chronische Niereninsuffizienz, terminales Nierenversagen, Nephrolithiasis, Nephrokalzinose, akute Uratnephropathie
- Calcium- und Phosphorstoffwechsel: Hyperkalzämie, humorale Hyperkalzämie bei Malignomen, Hyperparathyreoidismus, Osteitis fibrosa, Sarkoidose, Phosphorstoffwechselstörung
- Herz: Herzerkrankung, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Digitalisvergiftung, Kammerflimmern
- Stoffwechsel: Phenylketonurie und Störungen des Phenylalaninstoffwechsels
- Weitere: Pyoureter
- Arzneimittelwechselwirkungen (5, jeweils Schweregrad mässig): Amphetamin, Benzphetamin, Dextroamphetamin, Lisdexamfetamin, Metamfetamin.
Angaben aus der Schweizer Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen) liegen nicht vor. Bitte beachten Sie die Fachinformation für Sicherheitsinformationen.
Bei der vorhergesagten Indikation ist zudem zu beachten, dass mehrere der genannten Erkrankungen (Hyperkalzämie, Nierensteine, Niereninsuffizienz) bei älteren postmenopausalen Frauen häufig vorkommen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Der hohe TxGNN-Wert (99,3 %) stützt sich auf keine direkte Evidenz. Es gibt keine klinischen Studien, und die Literatur betrifft überwiegend Vitamin K, Polyglutaminsäure und Tiermodelle, nicht freie Glutaminsäure beim Menschen.
- Die Sicherheitsdaten aus der Fachinformation fehlen, und der Wirkmechanismus ist nicht dokumentiert. Zudem nennt der Wissensgraph mehrere relevante Kontraindikationen (u. a. Nierenerkrankungen, Störungen des Calciumstoffwechsels).
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Fachinformation von Swissmedic herunterladen und auswerten (Warnhinweise, Kontraindikationen)
- Wirkmechanismus aus DrugBank ergänzen
- Gezielte Literaturrecherche zu freier Glutaminsäure und Knochenstoffwechsel beim Menschen
- Präklinische Bestätigung (Knochendichte, Calciumaufnahme) und anschliessend gegebenenfalls eine kontrollierte klinische Pilotstudie
- Sicherheitsbewertung bei Nieren- und Calciumstoffwechselstörungen
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.