Glutamic Acid

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 4

Inhaltsverzeichnis

  1. Glutamic Acid
  2. Glutaminsäure: Von Tonikum und parenteraler Ernährung zu postmenopausaler Osteoporose
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literaturbelege
    6. Marktinformationen Schweiz
    7. Sicherheitshinweise
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Glutaminsäure: Von Tonikum und parenteraler Ernährung zu postmenopausaler Osteoporose

Zusammenfassung

Glutaminsäure wird in der Schweiz als Tonikum und als Bestandteil von Infusionslösungen zur parenteralen Ernährung eingesetzt. Die Vorhersage lautet, dass sie bei postmenopausaler Osteoporose wirksam sein könnte. Diese Vorhersage beruht allein auf einem Modell. Es gibt keine registrierten klinischen Studien, und die Literatur ist überwiegend indirekt (Vitamin D3/K2, Polyglutaminsäure, Tierversuch).


Kurzübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Tonikum; parenterale Ernährung
Vorhergesagte neue Indikation Postmenopausale Osteoporose
TxGNN-Vorhersagewert 99,3 %
Evidenzniveau L4 (nur präklinische bzw. indirekte Hinweise, keine direkten Humanstudien)
Marktstatus Schweiz Im Handel
Anzahl Zulassungen 7
Empfohlene Entscheidung Abwarten

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus von Glutaminsäure liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Daher kann der Mechanismus hier nicht im Detail analysiert werden.

Ein möglicher Zusammenhang besteht über den Knochenstoffwechsel. In der Literatur wird beschrieben, dass Vitamin K Glutaminsäurereste in Knochenproteinen (z. B. Osteocalcin) in γ-Carboxyglutaminsäure umwandelt. Dieser Vorgang betrifft jedoch Glutaminsäurereste in Proteinen und belegt keine Wirkung von freier Glutaminsäure als Arzneimittel.

Die beiden am ehesten relevanten Arbeiten sind ein Mausversuch und eine kleine Humanstudie. In ovariektomierten Mäusen linderte Glutaminsäure menopausenähnliche Symptome. Poly-γ-Glutaminsäure, ein Polymer und nicht die freie Aminosäure, beeinflusste akut die Calciumaufnahme bei postmenopausalen Frauen. Ein Nutzen von freier Glutaminsäure beim Menschen ist damit nicht gezeigt.


Klinische Studien

Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert


Literaturbelege

PMID Jahr Typ Zeitschrift Wichtige Ergebnisse
19172219 2009 Randomisierte offene Studie (109 Patientinnen) Journal of Bone and Mineral Metabolism Menatetrenon (Vitamin K2) erhöhte über 6 Monate die γ-Carboxylierung von Osteocalcin bei postmenopausaler Osteoporose. Indirekt, keine Glutaminsäure.
18187428 2007 Kleine physiologische Humanstudie Journal of the American College of Nutrition Poly-γ-Glutaminsäure (Polymer) untersuchte die akute Wirkung auf die Calciumaufnahme bei postmenopausalen Frauen. Nicht freie Glutaminsäure.
26144993 2015 Tierstudie (ovariektomierte Mäuse) Nutrition Research Glutaminsäure linderte östrogenmangelbedingte menopausenähnliche Symptome.
14529146 2003 Klinische Studie/Übersicht Keio Journal of Medicine Vitamin D3 und/oder K2 bei postmenopausaler Osteoporose. Indirekt.
14584089 2003 Klinische Studie/Übersicht Yonsei Medical Journal Kombination aus Vitamin K2 und Bisphosphonat bei Osteoporose. Indirekt.
34529430 2021 Präklinisch Nano Letters Knochenzielende Polymerbläschen (mit Glutaminsäure-Bausteinen) für die Abgabe von Östradiol. Indirekt.
29437025 2018 Genetische Assoziationsstudie Endocrine, Metabolic & Immune Disorders Drug Targets Zusammenhang des VKORC1-Polymorphismus mit Osteoporose bei postmenopausalen Frauen. Indirekt.
40950804 2025 Kohorte/Metabolomik Journal of Diabetes and Metabolic Disorders Aminosäureprofile, Alter und Sexualhormone bei älteren Personen im Iran. Indirekt.
18414001 2008 Genetische Studie Molecules and Cells SLC22A11-Polymorphismen bei koreanischen Frauen mit Osteoporose. Indirekt.
39698319 2024 Präklinisch Frontiers in Cellular and Infection Microbiology Pflanzliche Salbe und Darmmikrobiom-Knochen-Achse bei postmenopausaler Osteoporose. Indirekt.

Marktinformationen Schweiz

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
20550 Veractiv Tonoglutal, Filmtabletten Synthetika Tonikum
65450 Aminoplasmal B. Braun 10 %, Infusionslösung Synthetika Parenterale Ernährung
65726 Omegaflex special ohne Elektrolyte, Emulsion zur Infusion 625 ml Synthetika Parenterale Ernährung
59377 OLIMEL 4,4 % ohne Elektrolyte, Infusionslösung Synthetika Parenterale Ernährung
42847 Nutriflex special, Infusionslösung Synthetika Parenterale Ernährung
47614 Nutriflex Peri, Infusionslösung Synthetika Parenterale Ernährung
51671 Nutriflex plus, Infusionslösung 1000 ml Synthetika Parenterale Ernährung

Sicherheitshinweise

  • Krankheiten mit möglicher Kontraindikation (aus dem Wissensgraphen, nicht aus der Fachinformation):
    • Nieren: Nierenerkrankung, chronische Niereninsuffizienz, terminales Nierenversagen, Nephrolithiasis, Nephrokalzinose, akute Uratnephropathie
    • Calcium- und Phosphorstoffwechsel: Hyperkalzämie, humorale Hyperkalzämie bei Malignomen, Hyperparathyreoidismus, Osteitis fibrosa, Sarkoidose, Phosphorstoffwechselstörung
    • Herz: Herzerkrankung, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Digitalisvergiftung, Kammerflimmern
    • Stoffwechsel: Phenylketonurie und Störungen des Phenylalaninstoffwechsels
    • Weitere: Pyoureter
  • Arzneimittelwechselwirkungen (5, jeweils Schweregrad mässig): Amphetamin, Benzphetamin, Dextroamphetamin, Lisdexamfetamin, Metamfetamin.

Angaben aus der Schweizer Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen) liegen nicht vor. Bitte beachten Sie die Fachinformation für Sicherheitsinformationen.

Bei der vorhergesagten Indikation ist zudem zu beachten, dass mehrere der genannten Erkrankungen (Hyperkalzämie, Nierensteine, Niereninsuffizienz) bei älteren postmenopausalen Frauen häufig vorkommen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Abwarten

Begründung:

  • Der hohe TxGNN-Wert (99,3 %) stützt sich auf keine direkte Evidenz. Es gibt keine klinischen Studien, und die Literatur betrifft überwiegend Vitamin K, Polyglutaminsäure und Tiermodelle, nicht freie Glutaminsäure beim Menschen.
  • Die Sicherheitsdaten aus der Fachinformation fehlen, und der Wirkmechanismus ist nicht dokumentiert. Zudem nennt der Wissensgraph mehrere relevante Kontraindikationen (u. a. Nierenerkrankungen, Störungen des Calciumstoffwechsels).

Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:

  • Fachinformation von Swissmedic herunterladen und auswerten (Warnhinweise, Kontraindikationen)
  • Wirkmechanismus aus DrugBank ergänzen
  • Gezielte Literaturrecherche zu freier Glutaminsäure und Knochenstoffwechsel beim Menschen
  • Präklinische Bestätigung (Knochendichte, Calciumaufnahme) und anschliessend gegebenenfalls eine kontrollierte klinische Pilotstudie
  • Sicherheitsbewertung bei Nieren- und Calciumstoffwechselstörungen

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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