Glycine
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 2 |
Inhaltsverzeichnis
Glycin: Von parenteraler Ernährung zu Erkrankungen der Nasenhöhle
Zusammenfassung
Glycin wird in der Schweiz als Bestandteil von Aminosäurelösungen für die parenterale Ernährung sowie in einer Peritonealdialyselösung eingesetzt. Ein Computermodell (TxGNN) sagt voraus, dass es bei Erkrankungen der Nasenhöhle wirksam sein könnte. Diese Vorhersage stützt sich ausschliesslich auf die Modellberechnung; es liegen keine Studien vor, die Glycin bei dieser Erkrankung untersucht haben.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Parenterale Ernährung; Peritonealdialyselösung |
| Vorhergesagte neue Indikation | Erkrankung der Nasenhöhle (nasal cavity disease) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,8 % |
| Evidenzniveau | L5 (nur Modellvorhersage) |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 8 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Ein direkter Zusammenhang zwischen Glycin und Erkrankungen der Nasenhöhle lässt sich anhand der vorliegenden Daten nicht belegen. Der ursprüngliche Wirkmechanismus ist in den zusammengestellten Daten nicht angegeben. Glycin ist bekanntermassen eine Aminosäure mit allgemeiner Ernährungsfunktion und ein hemmender Neurotransmitter.
Die Beziehung zwischen der ursprünglichen Indikation (Ernährung, Dialyse) und der vorhergesagten Indikation (Nasenhöhle) ist nicht erkennbar. Der hohe Vorhersagewert von 99,8 % ist ein rein rechnerisches Ergebnis des Wissensgraphen und kein Beleg für eine Wirksamkeit. Ob der Mechanismus auf die Nasenhöhle übertragbar wäre, kann auf dieser Datengrundlage nicht beurteilt werden.
Klinische Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmer | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| NCT01806675 | Phase 1/2 | Abgeschlossen | 25 | Bildgebungsstudie mit einem neuen PET-Radiotracer (18F-FPPRGD2) bei Krebspatienten (Glioblastom, gynäkologische Tumoren, Nierenzellkarzinom) unter Antiangiogenese-Therapie. Glycin wird nicht als Therapie geprüft; kein Bezug zur Nasenhöhle. |
Literaturbelege
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 29607903 | 2018 | Grundlagenforschung (Wirkstofftransport) | Chemical & Pharmaceutical Bulletin | Oligoarginin-Polymere als mukosale Adjuvantien für Impfstoffe in der Mäusenase. Glycin wird nicht untersucht. |
| 7771054 | 1995 | Grundlagenforschung (Tiergewebe) | Veterinary Pathology | Lektin-Histochemie der Nasenschleimhaut von Rindern mit und ohne Herpesvirus-Infektion. Glycin wird nicht untersucht. |
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 55337 | Aminoven 5 %, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 54850 | Aminoven infant 10%, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 52459 | Nutrineal PD 4 mit 1.1% Aminosäuren, Peritonealdialyselösung | Synthetika | Peritonealdialyselösung |
| 65450 | Aminoplasmal B. Braun 10%, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 65726 | Omegaflex special ohne Elektrolyte, Emulsion zur Infusion 625 ml | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 66859 | SmofKabiven special EF 1012 ml, Infusionsemulsion | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 59377 | OLIMEL 4,4 % ohne Elektrolyte, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 62283 | SmofKabiven EF, Infusionsemulsion 986 ml | Synthetika | Parenterale Ernährung für Erwachsene |
Sicherheitshinweise
- Hinweise aus dem Wissensgraphen (keine Angaben aus der Fachinformation): Im Wissensgraphen sind Kontraindikationen mit folgenden Krankheitsgruppen verknüpft:
- Nieren: Nierenerkrankung, chronische Niereninsuffizienz, terminale Niereninsuffizienz, Nephrolithiasis, Nephrokalzinose, akute Uratnephropathie
- Kalzium- und Phosphorstoffwechsel: Hyperkalzämie, Hyperparathyreoidismus, Hyperphosphatämie, Störungen des Phosphorstoffwechsels, Sarkoidose, Hypervitaminose
- Herz-Kreislauf: Herzerkrankung, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Arteriosklerose obliterans, Digitalisvergiftung, Kammerflimmern
- Stoffwechsel: Phenylketonurie bzw. Störungen des Phenylalaninstoffwechsels
- Weitere: Verstopfung, lytische Knochenmetastasen, Pyoureter
Diese Zuordnungen stammen aus einem Wissensgraphen und nicht aus dem Text der Fachinformation; sie müssen gegen diese geprüft werden.
Bitte beachten Sie die Fachinformation für verbindliche Sicherheitsinformationen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Die Vorhersage beruht allein auf einem Modellwert (Evidenzniveau L5). Die einzige verknüpfte Studie und beide Publikationen untersuchen Glycin nicht und zeigen keinen Bezug zu Nasenhöhlenerkrankungen.
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Wirkmechanismus von Glycin aus DrugBank, um einen möglichen mechanistischen Zusammenhang zu prüfen
- Warnhinweise und Kontraindikationen aus den Swissmedic-Fachinformationen (derzeit blockierende Datenlücke für die Sicherheitsprüfung)
- Präklinische oder klinische Studien, die Glycin bei Erkrankungen der Nasenhöhle direkt untersuchen
- Prüfung der Anwendungsweg-Kompatibilität: Die bestehenden Produkte sind Infusionslösungen, eine nasale Anwendung ist nicht abgedeckt
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.