Hesperidin
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 5 |
Inhaltsverzeichnis
- Hesperidin
- Hesperidin: Von Venenerkrankungen (Veneninsuffizienz, Hämorrhoiden) zu myeloproliferativer Neoplasie
Hesperidin: Von Venenerkrankungen (Veneninsuffizienz, Hämorrhoiden) zu myeloproliferativer Neoplasie
Zusammenfassung
Hesperidin ist in der Schweiz als Venenmittel zugelassen und wird bei Ödemen und anderen Symptomen der Veneninsuffizienz sowie bei Hämorrhoiden eingesetzt. Das Vorhersagemodell schlägt es nun unter anderem für myeloproliferative Neoplasien vor. Die Evidenz dafür ist sehr schwach: Es liegt lediglich eine computergestützte Docking-Studie vor, aber keine klinische Studie und keine experimentelle Bestätigung.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Venenmittel; Ödeme und andere Symptome der Veneninsuffizienz; Hämorrhoiden |
| Vorhergesagte neue Indikation | Myeloproliferative Neoplasie |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,5 % |
| Evidenzniveau | L5 (nur Modellvorhersage bzw. rein computergestützte Studie) |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 4 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus von Hesperidin liegen in den zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Bekannt ist Hesperidin als Flavonoid mit venenstärkenden, antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Diese Eigenschaften erklären den Einsatz bei Venenleiden, haben aber keine etablierte Verbindung zu den typischen Treibern myeloproliferativer Neoplasien (BCR-ABL, JAK2, CALR, MPL).
Die einzige Stütze der Vorhersage ist eine In-silico-Studie (PMID 31759365), die nahelegt, dass Hesperidin an die BCR-ABL-Kinasedomäne bei chronischer myeloischer Leukämie binden könnte. Das ist eine reine Computerberechnung ohne experimentelle, präklinische oder klinische Bestätigung. Der hohe Vorhersagewert beruht auf dem Modell und ersetzt keine Evidenz.
Weitere vom Modell vorhergesagte Erkrankungen sind monozytäre Leukämie, spermatozytisches Seminom, tubuläres Seminom des Hodens und gestationsbedingte Trophoblastenneoplasie. Für die drei letztgenannten gibt es weder Studien noch Literatur. Für die monozytäre Leukämie deutet eine In-vitro-Studie (PMID 14505793) eher darauf hin, dass der Rutinosid-Zucker in Hesperidin die apoptoseauslösende Wirkung abschwächt. Dies spricht eher gegen die Wirksamkeit der Glykosidform. Diese Einschätzung ist vorläufig, da nur der Titel ausgewertet werden konnte.
Klinische Studien
Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert.
Literaturbelege
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 31759365 | 2019 | In-silico-Studie | Asian Pacific Journal of Cancer Prevention | Computergestütztes Repurposing: Hesperidin könnte an die BCR-ABL-Kinasedomäne bei chronischer myeloischer Leukämie binden. Keine experimentelle Validierung. |
| 14505793 | 2003 | In-vitro-Studie (für monozytäre Leukämie) | Biochemical Pharmacology | Vergleich von Hesperidin und Hesperetin in HL-60-Zellen: Das Rutinosid an Position C7 schwächt die apoptoseauslösende Wirkung von Flavonoiden eher ab. |
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 68050 | Diosmin Hesperidin Zentiva 500 mg, Filmtabletten | Synthetika | Venenmittel |
| 70162 | Diosmin Hesperidine Provectis 500 mg, Filmtabletten | Synthetika | Ödeme und andere Symptome der Veneninsuffizienz, Hämorrhoiden |
| 68966 | Daflon UNO, 1000 mg, Kautabletten | Synthetika | Ödeme und andere Symptome der Veneninsuffizienz |
| 40380 | Daflon 500, Filmtabletten | Synthetika | Veneninsuffizienz und Hämorrhoidalleiden |
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Die Vorhersage stützt sich nur auf ein Modell und eine einzelne Docking-Studie. Es gibt keine klinischen oder experimentellen Belege, und ein bekannter Zusammenhang zwischen dem Wirkprofil von Hesperidin und den Treibern myeloproliferativer Neoplasien fehlt.
- Die Sicherheitsdaten aus der Fachinformation fehlen, sodass eine Sicherheitsbewertung derzeit nicht möglich ist.
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Auswertung der Swissmedic-Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen, Wechselwirkungen)
- Klärung des Wirkmechanismus aus DrugBank
- Experimentelle Bestätigung (Zelllinien, Tiermodelle) einer Wirkung auf BCR-ABL oder andere Treiberwege
- Prüfung, ob die aktive Form (Hesperetin statt Hesperidin) relevant ist und ob bei den erforderlichen Dosen eine ausreichende Bioverfügbarkeit erreichbar ist
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.