Lopinavir
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 3 |
Inhaltsverzeichnis
Lopinavir: Von HIV-Infektionen zu Simian-Immundefizienzvirus-Infektion
Zusammenfassung
Lopinavir wird in der Schweiz zur Behandlung von HIV-Infektionen eingesetzt. Das Vorhersagemodell schlägt es nun für die Simian-Immundefizienzvirus-(SIV-)Infektion vor, eine Infektion bei Affen, die dem HIV sehr ähnlich ist. Die Evidenz besteht ausschliesslich aus drei präklinischen Studien an Affen. Es handelt sich zudem nicht um eine echte Umwidmung für eine menschliche Erkrankung, da SIV ein Tiermodell für HIV ist.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | HIV-Infektionen |
| Vorhergesagte neue Indikation | Simian-Immundefizienzvirus-Infektion (SIV) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,9 % |
| Evidenzniveau | L4 (nur präklinische Studien) |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 2 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Lopinavir ist jedoch bekanntermassen ein Hemmstoff der HIV-1-Protease. Dieses Enzym schneidet virale Eiweisse in ihre funktionsfähigen Bestandteile und ist für die Reifung neuer Viruspartikel notwendig.
SIV und HIV gehören zu den Lentiviren und sind eng verwandt. Ihre Proteasen sind in Aufbau und Funktion ähnlich, weshalb ein ähnlicher Hemmmechanismus denkbar ist. Der hohe Vorhersagewert spiegelt vermutlich vor allem diese biologische Nähe zur ursprünglichen Indikation HIV wider.
Zu beachten ist: SIV ist eine Tierinfektion und dient als Modell für HIV. Es handelt sich daher nicht um eine neue Krankheit beim Menschen. Die Vorhersage bringt für die klinische Praxis keinen zusätzlichen Nutzen.
Klinische Studien
Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert
Literaturbelege
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 16973590 | 2006 | Präklinische Tierstudie (Affen) | Journal of Virology | Vier mit SIVmac251 infizierte Makaken erhielten 7 Tage lang eine Vierfach-Therapie gegen Retroviren. Untersucht wurde der Verlauf der Viruslast (virale Dynamik). Der Titel beschreibt einen raschen Abfall der Viruslast. |
| 12951220 | 2003 | Präklinische Tierstudie (Affen) | Journal of Virological Methods | Zwei chronisch mit SHIV 89.6P infizierte Rhesusaffen erhielten 28 Tage lang oral AZT, 3TC und Lopinavir/Ritonavir. Untersucht wurde der Einfluss auf die CD8-Zellen im Blut. |
| 17350308 | 2007 | Präklinische Tierstudie (SHIV-Konstrukt) | Microbes and Infection | Entwicklung eines neuen Virus mit HIV-1-Protease, das als Modell zur Prüfung von Proteasehemmern dienen soll. Das Viruswachstum liess sich in Zellkultur durch einen Proteasehemmer vollständig blockieren. |
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 55649 | Kaletra, Sirup | Synthetika | HIV-Infektionen |
| 57555 | Kaletra 200/50, Filmtabletten | Synthetika | HIV-Infektionen |
Sicherheitshinweise
Die Angaben aus der Fachinformation (Warnungen und Kontraindikationen) liegen nicht vor. Bitte beachten Sie die Fachinformation für Sicherheitsinformationen.
- Mögliche Kontraindikationen laut Wissensgraph (nicht aus dem Fachinformationstext): Dazu zählen Herzrhythmusstörungen (Long-QT-Syndrom, Torsades de pointes, AV-Block, plötzlicher Herzstillstand), Herzerkrankungen (koronare Herzkrankheit, Kardiomyopathien), Leber- und Gallenerkrankungen (Leberzirrhose, chronische Hepatitis B und C, Hyperbilirubinämie), Pankreatitis, Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus, Hyperglykämie, diabetische Ketoazidose, Hypertriglyceridämie, Kaliummangel) sowie Hämophilie.
- Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 65 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind Dolasetron und Papaverin. Mittelgradig sind unter anderem Acarbose, Dapagliflozin, Famotidin, Levofloxacin, Metformin, Ondansetron, Palonosetron sowie mehrere Abführmittel. Gering sind Cimetidin und Clotrimazol.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Die Evidenz besteht nur aus drei präklinischen Affenstudien. Es gibt keine klinischen Studien, und SIV ist keine menschliche Erkrankung, sodass kein echter Umwidmungsfall vorliegt.
- Der hohe Vorhersagewert beruht vermutlich auf der Ähnlichkeit zu HIV. Die Fachinformation zu Sicherheit liegt nicht vor.
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Klärung, ob eine Indikation ohne menschlichen Bezug überhaupt weiterverfolgt werden soll.
- Fachinformation von Swissmedic (Warnungen, Kontraindikationen) als Grundlage der Sicherheitsprüfung.
- Angaben zum Wirkmechanismus aus DrugBank.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.