Polymyxin B
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 3 |
Inhaltsverzeichnis
Polymyxin B: Von Augen- und Ohrinfektionen zu Bronchitis
Zusammenfassung
Polymyxin B ist in der Schweiz zugelassen zur Behandlung von Augeninfektionen, infizierten Augenentzündungen und Ohrentzündungen (Otitis). Das Modell sagt voraus, dass es auch bei Bronchitis wirksam sein könnte. Die Evidenz dafür ist schwach: Es liegen keine registrierten klinischen Studien vor, und die Literatur ist indirekt und zeigt zugleich ein Sicherheitsrisiko bei Inhalation.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Augeninfektionen, infizierte Augenentzündungen, Otitis |
| Vorhergesagte neue Indikation | Bronchitis |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,9 % |
| Evidenzniveau | L4 (indirekte Literatur, keine registrierten Studien) |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 4 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Polymyxin B wirkt bakterizid gegen gramnegative Bakterien, indem es deren äussere Zellmembran zerstört. Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine weiteren Angaben vor. Das genannte Prinzip stammt aus der Literaturbewertung.
Die Zulassungen betreffen bakterielle Infektionen an Auge und Ohr. Bakterielle Infektionen der Atemwege, etwa durch Pseudomonas aeruginosa oder Acinetobacter baumannii, könnten prinzipiell denselben antibakteriellen Mechanismus nutzen. Kohortenstudien zu beatmungsassoziierter Pneumonie und Tracheobronchitis sowie zu inhaliertem Polymyxin B bei multiresistenten Keimen (2007, 2013) stützen diese Überlegung indirekt.
Dem steht ein erhebliches Sicherheitsproblem gegenüber: Inhaliertes Polymyxin B kann eine Bronchokonstriktion auslösen. Es wird experimentell als unspezifischer Provokationsstoff bei Asthma und chronischer Bronchitis eingesetzt. Zudem wird es in Tiermodellen zur Auslösung einer eosinophilen Bronchitis verwendet. Der hohe Vorhersagewert wird durch keine registrierte Studie untermauert.
Klinische Studien
Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert
Literaturbelege
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 23124906 | 2013 | Kohorte/Vergleichsstudie | Infection | Vergleich von Polymyxin B mit anderen Antibiotika bei beatmungsassoziierter Pneumonie und Tracheobronchitis durch P. aeruginosa oder A. baumannii |
| 17350201 | 2007 | Kohorte | Diagnostic Microbiology and Infectious Disease | 19 Patienten mit inhaliertem Polymyxin B bei Pneumonie (meist nach Versagen intravenöser Therapie) und Tracheobronchitis durch multiresistente gramnegative Keime |
| 4373513 | 1974 | Klinische Beschreibung | Journal of the Kansas Medical Society | Pseudomonas-Tracheobronchitis mit systemischem Gentamicin und Polymyxin-B-Aerosol |
| 4319158 | 1970 | Experimentell/Beobachtung | Chest | Endobronchiales Polymyxin B bei chronischer Bronchitis |
| 231152 | 1979 | Provokationsstudie | Lung | Bronchiale Reaktivität auf inhaliertes Polymyxin B bei Asthma und chronisch-obstruktiver Bronchitis |
| 2984629 | 1985 | Provokationsstudie | Orvosi Hetilap | Unspezifische bronchiale Provokation mit Polymyxin B bei Asthma und chronischer Bronchitis |
| 4322737 | 1971 | Sicherheitsmitteilung | Annals of Internal Medicine | Warnung vor Gefahren der Polymyxin-B-Inhalation |
| 28441858 | 2017 | Präklinisch (Maus) | Zhonghua Yi Xue Za Zhi | Mausmodell der eosinophilen Bronchitis durch Polymyxin B |
| 11359434 | 2001 | Präklinisch (Meerschweinchen) | Clinical and Experimental Allergy | Eosinophile Anreicherung in den Atemwegen durch Polymyxin B verringert die bronchiale Reaktivität |
| 8054833 | 1994 | Präklinisch (Meerschweinchen) | Clinical Autonomic Research | Modell der eosinophilen Bronchitis durch intranasales Polymyxin B; Wirkung eines Neurokinin-Antagonisten auf den Husten |
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 36290 | Spersapolymyxin, Augentropfen | Synthetika | Augeninfektionen |
| 31567 | Maxitrol, Augentropfen | Synthetika | Infizierte Augenentzündungen |
| 31566 | Maxitrol, Augensalbe | Synthetika | Infizierte Augenentzündungen |
| 31957 | Panotile, gocce otologiche | Synthetika | Otitis |
Sicherheitshinweise
- Arzneimittelwechselwirkungen (73 Einträge erfasst, Auswahl):
- Schwerwiegend (Major): Botulinumtoxin Typ A, Amikacin, Cidofovir, Cisatracurium, Deferasirox, intravenöses Immunglobulin G, Iothalaminsäure, Diatrizoat
- Moderat: Ethinylestradiol, Estradiol, Mesalazin, Balsalazid, Ibandronat, Capreomycin, Clofarabin
- Weitere Hinweise aus der Literatur: Inhaliertes Polymyxin B kann eine Bronchokonstriktion auslösen. Bei Atemwegsanwendung besteht daher ein relevantes Sicherheitsrisiko.
Angaben zu Warnungen und Kontraindikationen aus der Fachinformation liegen nicht vor. Bitte beachten Sie die Fachinformation für Sicherheitsinformationen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Der sehr hohe Vorhersagewert wird durch keine registrierte Studie gestützt; die Literatur ist indirekt, überwiegend alt oder präklinisch.
- Die Inhalation kann Bronchokonstriktion auslösen, was die Atemwegsanwendung sicherheitskritisch macht.
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Auswertung der Fachinformation (Warnungen und Kontraindikationen) von Swissmedic, da diese Daten fehlen und die Sicherheitsprüfung blockieren
- Angaben zum Wirkmechanismus aus DrugBank
- Kontrollierte klinische Studien zu inhaliertem Polymyxin B bei bakterieller Bronchitis mit Sicherheitsbewertung der Bronchokonstriktion
- Klärung einer geeigneten Darreichungsform und Applikationsroute für die Atemwege, da die zugelassenen Formen nur für Auge und Ohr bestimmt sind
Hinweis zu weiteren Vorhersagen: Für Konjunktivitis (Vorhersagewert 99,1 %) liegen mehrere randomisierte Vergleichsstudien zur Fixkombination Polymyxin B/Trimethoprim vor (Evidenzniveau L2). Dies entspricht weitgehend der bestehenden Zulassung für Augeninfektionen und ist keine echte Umwidmung. Die Evidenz bezieht sich auf die Kombination, nicht auf Polymyxin B allein.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.