Sacubitril

Evidenzniveau: L3 Vorhergesagte Indikationen: 5

Inhaltsverzeichnis

  1. Sacubitril
  2. Sacubitril: Von chronischer Herzinsuffizienz zu diabetischer Nephropathie
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literaturbelege
    6. Marktinformationen Schweiz
    7. Sicherheitshinweise
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Sacubitril: Von chronischer Herzinsuffizienz zu diabetischer Nephropathie


Zusammenfassung

Sacubitril (in Kombination mit Valsartan) wird in der Schweiz zur Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion eingesetzt. Das Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei diabetischer Nephropathie voraus. Dafür gibt es eine laufende bzw. nicht abgeschlossene Phase-4-Studie und überwiegend präklinische Literatur, jedoch keine bestätigten Wirksamkeitsdaten beim Menschen.


Kurzübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Chronische Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion; Reduktion des Risikos der kardiovaskulären Mortalität und Morbidität bei systolischer Herzinsuffizienz
Vorhergesagte neue Indikation Diabetische Nephropathie
TxGNN-Vorhersagewert 99,5 %
Evidenzniveau L3
Marktstatus Schweiz Im Handel
Anzahl Zulassungen 3
Empfohlene Entscheidung Abwarten

Hinweis: Die TxGNN-Vorhersage mit der höchsten Platzierung (Rang 1) betrifft eine seltene COL4A1-bedingte Erkrankung der kleinen Hirngefässe. Dafür gibt es keine belastbare Evidenz. Die diabetische Nephropathie (Rang 3) ist die Vorhersage mit der besten Datenlage und wird daher in diesem Bericht behandelt.


Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus von Sacubitril liegen in den zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Aus der Literatur ist jedoch bekannt, dass Sacubitril das Enzym Neprilysin hemmt und dadurch natriuretische Peptide anhebt. In Kombination mit Valsartan, einem Angiotensin-Rezeptorblocker, wird zusätzlich das Renin-Angiotensin-System gedämpft.

Die Herzinsuffizienz und die diabetische Nephropathie haben gemeinsame Grundlagen: Bluthochdruck, hämodynamische Belastung, Entzündung und Fibrose. Die Blockade des Renin-Angiotensin-Systems gehört bereits zur Standardtherapie der diabetischen Nierenerkrankung. Der Neprilysin-Hemmer könnte hier einen zusätzlichen Nutzen bringen.

In Tiermodellen des Diabetes (Ratten und Mäuse) verringerte Sacubitril/Valsartan oxidativen Stress, NF-κB-vermittelte Entzündung und Glomerulosklerose. Zudem beeinflusste es die Darmmikrobiota. Beim Menschen ist die Wirksamkeit bislang nicht bestätigt.


Klinische Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Wichtige Ergebnisse
NCT06501651 Phase 4 Unbekannt 297 Randomisierte, kontrollierte Multizenterstudie (Hyper-Save): Sacubitril/Valsartan gegenüber Valsartan bei essenzieller Hypertonie und diabetischer Nephropathie Typ 2 über 12 Wochen (Randomisierung 2:1). Ergebnisse liegen nicht vor.

Literaturbelege

PMID Jahr Typ Zeitschrift Wichtige Ergebnisse
29661699 2018 Sekundäranalyse einer RCT (PARADIGM-HF) The Lancet Diabetes & Endocrinology Untersuchung des Effekts der Neprilysin-Hemmung auf die Nierenfunktion bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und chronischer Herzinsuffizienz
37549515 2023 Klinische Studie (randomisiert) International Immunopharmacology 112 Patienten mit diabetischer Nephropathie und Hypertonie: Nifedipin mit Sacubitril/Valsartan gegenüber Nifedipin mit Valsartan; Bewertung der Nierenfunktion
40416927 2025 Klinische Studie (Bildgebung) Diabetes, Metabolic Syndrome and Obesity BOLD-MRT zur Beurteilung der Nierenschutzwirkung bei diabetischer Nephropathie
34431635 2021 Übersichtsarbeit Revue médicale suisse Möglicher Nutzen bei Typ-2-Diabetes: Verbesserung der Blutzuckerkontrolle und Insulinsensitivität sowie mögliche nierenschützende Wirkung
37625003 2023 Übersichtsarbeit Diabetes Care Aktuelle Therapiesäulen zur Verlangsamung der diabetischen Nephropathie
35992034 2022 Präklinisch (Ratte) Diabetes, Metabolic Syndrome and Obesity Verlangsamung der frühen diabetischen Nephropathie über Hemmung des NLRP3-Inflammasoms
36589853 2022 Präklinisch (Maus) Frontiers in Endocrinology Verbesserung der diabetischen Nierenerkrankung und Beeinflussung der Darmmikrobiota
32596035 2020 Präklinisch (Ratte) PeerJ Verringerung von oxidativem Stress, NF-κB-vermittelter Entzündung und Glomerulosklerose
33870733 2021 Präklinisch (Maus) American Journal of Physiology – Renal Physiology Unterschiedliche Effekte gegenüber Valsartan in zwei diabetischen Mausmodellen
37202215 2023 Präklinisch (Maus) Nephrology Dialysis Transplantation Linderung tubulointerstitieller Schäden durch erhöhten renalen Plasmafluss bei Typ-2-Diabetes mit Aldosteronüberschuss

Marktinformationen Schweiz

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
69813 Sacubitril-Valsartan-Mepha 24 mg/26 mg, Filmtabletten Synthetika Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion
69255 Entresto 6 mg/6 mg, filmüberzogenes Granulat Synthetika Reduktion des Risikos der kardiovaskulären Mortalität und Morbidität bei systolischer Herzinsuffizienz
65673 Entresto 50 mg, Filmtabletten Synthetika Reduktion des Risikos der kardiovaskulären Mortalität und Morbidität bei systolischer Herzinsuffizienz

Sicherheitshinweise

  • Arzneimittelwechselwirkungen (alle mit Schweregrad «mittel»): Nitisinon, Rosuvastatin, Simvastatin, Cobicistat, Revefenacin, Alpelisib.

Für Warnungen und Kontraindikationen bitte die Fachinformation beachten.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Abwarten

Begründung:

  • Der TxGNN-Wert ist hoch, doch beim Menschen fehlen abgeschlossene Studien mit Ergebnissen. Die einzige Studie (Phase 4) hat den Status «unbekannt» und keine Resultate, die übrige Evidenz ist überwiegend präklinisch oder Übersichtsliteratur.
  • Die anderen Vorhersagen (COL4A1-assoziierte Erkrankungen, rheumatoide Arthritis, Hämoglobinopathie) haben keine tragfähige Evidenz.

Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:

  • Ergebnisse oder aktueller Status der Studie NCT06501651 sowie weitere randomisierte Studien mit Nierenendpunkten (z. B. Albuminurie, eGFR-Verlauf)
  • Auswertung der Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Swissmedic-Fachinformation, insbesondere zu Nierenfunktion und Hyperkaliämie, bevor die Sicherheitsprüfung fortgesetzt wird
  • Ergänzung der Angaben zum Wirkmechanismus aus DrugBank

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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