Sulfamethoxazole

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Sulfamethoxazole
  2. Sulfamethoxazol: Von Infektionskrankheiten zu akuter ansteckender Bindehautentzündung
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literaturbelege
    6. Marktinformationen Schweiz
    7. Sicherheitshinweise
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Sulfamethoxazol: Von Infektionskrankheiten zu akuter ansteckender Bindehautentzündung


Zusammenfassung

Sulfamethoxazol ist ein Sulfonamid-Antibiotikum, das in der Schweiz allgemein bei Infektionskrankheiten eingesetzt wird. Es könnte voraussichtlich auch bei der akuten ansteckenden Bindehautentzündung (Konjunktivitis) wirksam sein, die häufig bakteriell verursacht wird. Die Evidenz ist sehr gering: Es liegt lediglich eine Modellvorhersage mit einer einzelnen, nur indirekt verwandten Kohortenstudie vor, aber keine klinische Studie.


Kurzübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Infektionskrankheiten
Vorhergesagte neue Indikation Akute ansteckende Bindehautentzündung (acute contagious conjunctivitis)
TxGNN-Vorhersagewert 99,6 %
Evidenzniveau L5 (nur Modellvorhersage; die einzige Publikation ist eine Beobachtungsstudie zu Erregern und Resistenzmustern, kein Wirksamkeitsnachweis für Sulfamethoxazol)
Marktstatus Schweiz Im Handel (Marketed)
Anzahl Zulassungen 4
Empfohlene Entscheidung Abwarten

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Sulfamethoxazol hemmt das bakterielle Enzym Dihydropteroat-Synthase und blockiert so die Folsäuresynthese der Bakterien. Die Angaben zum Wirkmechanismus fehlten in den ursprünglichen Daten; die Beschreibung stützt sich daher auf die allgemein bekannte Pharmakologie der Sulfonamide.

Die akute ansteckende Bindehautentzündung ist häufig bakteriell bedingt, typische Erreger sind Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae. Ein antibakterieller Wirkmechanismus ist deshalb grundsätzlich plausibel, und die neue Indikation liegt thematisch nahe an der ursprünglichen (Infektionskrankheiten).

Es gibt jedoch Einschränkungen: Systemisch angewendetes Sulfamethoxazol (meist in Kombination mit Trimethoprim) hat in der Augenheilkunde kaum etablierte Anwendung. Für das Auge werden üblicherweise topische Sulfonamide wie Sulfacetamid eingesetzt. Der sehr hohe TxGNN-Wert ist eine reine Computervorhersage und kein klinischer Beleg.


Klinische Studien

Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert


Literaturbelege

PMID Jahr Typ Zeitschrift Wichtige Ergebnisse
31788487 2019 Kohortenstudie (retrospektiv) Medical Hypothesis, Discovery & Innovation Ophthalmology Journal Retrospektive Analyse mutmasslich bakterieller akuter Bindehautentzündungen bei Kindern in einem Kinderspital in Westgriechenland (2013 ff.). Untersucht wurden Erreger und Antibiotika-Empfindlichkeit. Keine Wirksamkeitsdaten zu Sulfamethoxazol.

Marktinformationen Schweiz

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
48306 Bactrim forte, Tabletten Synthetika Infektionskrankheiten
40204 Nopil forte, Tabletten Synthetika Infektionskrankheiten
37887 Bactrim, Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung Synthetika Infektionskrankheiten
41013 Nopil für Kinder, Suspension zum Einnehmen Synthetika Infektionskrankheiten

Sicherheitshinweise

  • Kontraindikationen (aus dem Wissensgraphen, nicht aus der Fachinformation): Der Wissensgraph verzeichnet Zusammenhänge mit folgenden Erkrankungen: Porphyrie (einschliesslich erblicher Formen und Störungen des Porphyrinstoffwechsels), Nieren- und Lebererkrankungen, Nierenversagen, Urämie, Glomerulonephritis, Gallenblasenerkrankungen, Thrombozytopenie, Neutropenie, Agranulozytose, G6PD-Mangel, Folsäuremangelanämie, Clostridium-difficile-Kolitis, nekrotisierende Enterokolitis bei Neugeborenen, Glykogenspeicherkrankheit, Zystinurie, Galaktosämie und Pyoureter.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 151 Wechselwirkungen erfasst. Zu den im vorliegenden Auszug genannten gehören:
    • Mittlere Relevanz (Moderate): Sulfonylharnstoffe (Chlorpropamid, Glimepirid, Acetohexamid, Glipizid, Glyburid), diverse Insuline (Humaninsulin, Aspart, Degludec, Detemir, Glargin, Glulisin), Balsalazid, Picosulfonsäure
    • Geringe Relevanz (Minor): Famotidin, Clarithromycin, Dolasetron, Palonosetron, Cisaprid, Granisetron

Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Schweizer Fachinformation liegen nicht vor. Bitte beachten Sie die Fachinformation für Sicherheitsinformationen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Abwarten

Begründung:

  • Der Vorhersagewert ist sehr hoch, es gibt aber weder klinische Studien noch Wirksamkeitsdaten, und der Mechanismus ist nur allgemein plausibel. Zudem ist für das Auge eher eine topische Anwendung üblich, während die in der Schweiz zugelassenen Produkte systemisch sind.
  • Die Sicherheitsbewertung kann nicht abgeschlossen werden, da die Angaben der Fachinformation fehlen.

Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:

  • Fachinformation der Swissmedic (Warnhinweise und Kontraindikationen) herunterladen und auswerten
  • Wirkmechanismus aus DrugBank ergänzen
  • Prüfung der Routenkompatibilität (systemische Produkte gegenüber der für das Auge üblichen topischen Anwendung)
  • Gezielte Literaturrecherche zu Sulfamethoxazol bei bakterieller Konjunktivitis sowie zu Resistenzlage und Vergleich mit etablierten Augenantibiotika
  • Bei positiver Datenlage: Planung klinischer Studien

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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