Tenofovir Disoproxil
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 4 |
Inhaltsverzeichnis
- Tenofovir Disoproxil
- Tenofovir disoproxil: Von HIV-Infektion zu Simian-Immundefizienzvirus-Infektion
Tenofovir disoproxil: Von HIV-Infektion zu Simian-Immundefizienzvirus-Infektion
Zusammenfassung
Tenofovir disoproxil wird in der Schweiz zur Behandlung der HIV-Infektion und zur HIV-Prä-Expositionsprophylaxe eingesetzt. Das Modell sagt eine Wirksamkeit gegen die Simian-Immundefizienzvirus-Infektion (SIV) voraus, eine Infektion bei Affen. Die Evidenz stammt ausschliesslich aus Tierstudien (vor allem Makaken) und aus Übersichtsarbeiten. Es gibt keine klinischen Studien. Die Vorhersage ist ein Modellbefund und kein neues Behandlungsziel beim Menschen.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | HIV-Infektion, HIV-1-Infektion, HIV-Prä-Expositionsprophylaxe |
| Vorhergesagte neue Indikation | Simian-Immundefizienzvirus-Infektion (SIV) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,95 % |
| Evidenzniveau | L4 (präklinische Studien) |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 7 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus von Tenofovir disoproxil liegen in den zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Bekannt ist aber, dass Tenofovir ein nukleotidischer Reverse-Transkriptase-Hemmer ist. Das Virus SIV gehört zu den Lentiviren und ist eng mit HIV-1 verwandt. Es vermehrt sich über denselben Weg der Reverse Transkription.
Die ursprüngliche und die vorhergesagte Indikation sind daher mechanistisch eng verwandt. Die Wirkung gegen SIV und SHIV (ein Hybridvirus aus SIV und HIV) ist in Makakenmodellen für Prophylaxe und Behandlung gezeigt worden.
Die Evidenz ist präklinisch, und SIV ist ein Tier- bzw. Versuchsmodell, keine Humanindikation. Der Wert liegt darin, die bereits zugelassene HIV-Indikation zu stützen. Ein neues Umwidmungsziel ergibt sich daraus nicht.
Klinische Studien
Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert.
Literaturbelege
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 26743846 | 2016 | Tierstudie (Makaken) | The Journal of Infectious Diseases | Die Kombination Emtricitabin/Tenofovir disoproxil wurde bei Makaken mit Chlamydia- und Trichomonas-Koinfektion zur Prophylaxe gegen vaginale SHIV-Infektion geprüft. |
| 16960777 | 2006 | Tierstudie (Makaken) | The Journal of Infectious Diseases | Tenofovir disoproxil bot bei wiederholten SHIV-Expositionen einen teilweisen Schutz. |
| 23633402 | 2013 | Tierstudie (Makaken) | The Journal of Infectious Diseases | Emtricitabin/Tenofovir disoproxil wurde gegen ein tenofovirresistentes SHIV mit K65R-Mutation getestet. |
| 24043812 | 2013 | Tierstudie (Makaken) | PNAS | Ein Vaginalring mit Tenofovir disoproxil schützte Makaken vor wiederholten vaginalen SHIV-Expositionen. |
| 27275923 | 2016 | Tierstudie (Makaken) | PLoS One | Ein Vaginalring mit Tenofovir disoproxil und Emtricitabin schützte Makaken vor mehrfachen SHIV-Expositionen. |
| 16810108 | 2006 | Tierstudie (Jungtiere) | JAIDS | Orales Tenofovir disoproxil und topisches GS-7340 wurden bei Makakenjungtieren gegen wiederholte orale SIV-Exposition untersucht. |
| 12404171 | 2002 | Tierstudie (Jungtiere) | The Journal of Infectious Diseases | Topisch (oral) verabreichtes Tenofovir disoproxil in niedriger Dosis wurde gegen mehrfache niedrig dosierte SIV-Expositionen geprüft. |
| 24914761 | 2014 | Tierstudie (Makaken) | AIDS Research and Human Retroviruses | Ein VLP-Impfstoff plus teilweise schützende orale PrEP verhinderte SHIV-Infektionen bei Makaken. |
| 20497048 | 2010 | Tierstudie (Makaken) | The Journal of Infectious Diseases | Unter HAART sanken die virale Replikation und die Entzündung im Zentralnervensystem, virale DNA blieb jedoch bestehen. |
| 22964889 | 2012 | Übersichtsarbeit | Current Opinion in HIV and AIDS | Die Arbeit fasst die Erkenntnisse aus Tiermodellen der antiretroviralen Prophylaxe zusammen. |
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 67010 | Emtricitabin/Tenofovir Viatris, Filmtabletten | Filmtabletten | HIV-Infektion |
| 66181 | Emtricitabin-Tenofovir-Mepha, Filmtabletten | Filmtabletten | HIV-Infektion, HIV-Prä-Expositionsprophylaxe |
| 67066 | Delstrigo, Filmtabletten | Filmtabletten | HIV-Infektion |
| 67093 | Efavirenz/Emtricitabin/Tenofovir Viatris, Filmtabletten | Filmtabletten | HIV-1-Infektion |
| 62155 | Eviplera, Filmtabletten | Filmtabletten | HIV-Infektion |
| 66217 | Efavirenz-Emtricitabin-Tenofovir-Mepha 600 mg, 200 mg, 245 mg, Filmtabletten | Filmtabletten | HIV-Infektionen |
| 62673 | Stribild, Filmtabletten | Filmtabletten | HIV-Infektionen |
Sicherheitshinweise
Aus der Fachinformation liegen in den zusammengestellten Daten keine Warnungen oder Kontraindikationen vor. Für Wechselwirkungen wurden keine Einträge gefunden.
Das Wissensgraph-Modell (PrimeKG) verzeichnet für Tenofovir disoproxil mögliche Kontraindikationen bei folgenden Erkrankungen. Es handelt sich nicht um Angaben aus der Fachinformation, sondern um Modelldaten:
- Leber: Leberversagen, Lebererkrankung, Fettleber, nichtalkoholische Steatohepatitis, Hepatitis-C-Infektion
- Niere und Knochen: Nierenerkrankung, Fanconi-Syndrom, Hypophosphatämie, Osteomalazie, Rachitis
- Herz-Rhythmus: Long-QT-Syndrom, Torsade de pointes
- Stoffwechsel: Laktatazidose, Hypertriglyzeridämie, Adipositas
- Neurologie und Psyche: Epilepsie, Angststörung, wahnhafte Störung, paranoide Schizophrenie
Bitte beachten Sie die Fachinformation für verbindliche Sicherheitsinformationen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Die Evidenz ist rein präklinisch (Tiermodelle, Niveau L4). SIV ist keine Humanindikation, und die Daten stützen höchstens die bereits zugelassene HIV-Indikation.
- Die übrigen vorhergesagten Indikationen (felines erworbenes Immundefizienzsyndrom, seltene neurologische Entwicklungsstörung, obsolete familiäre kombinierte Hyperlipidämie) haben keine oder nur veterinärmedizinische Evidenz und keinen erkennbaren Wirkmechanismus.
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Die Warnungen und Kontraindikationen aus der Swissmedic-Fachinformation (blockierende Datenlücke für das Sicherheitsscreening)
- Der Wirkmechanismus aus DrugBank
- Die Klärung, ob die Vorhersage überhaupt einen Mehrwert für die Humanmedizin bietet, da SIV nur als Forschungsmodell dient
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.