Tipiracil

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Tipiracil
  2. Tipiracil: Von metastasiertem Kolorektal- und Magenkarzinom zu Zäkum-Zottenadenom
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literaturbelege
    6. Marktinformationen Schweiz
    7. Zytotoxizität
    8. Sicherheitshinweise
    9. Fazit und nächste Schritte
    10. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Tipiracil: Von metastasiertem Kolorektal- und Magenkarzinom zu Zäkum-Zottenadenom


Zusammenfassung

Tipiracil wird in fester Kombination mit Trifluridin (Lonsurf) bei metastasiertem Kolorektal- und Magenkrebs eingesetzt. Das Modell sagt für das gutartige Zäkum-Zottenadenom einen sehr hohen Wert voraus. Dafür gibt es aber keine tatsächliche Evidenz: Es liegen weder klinische Studien noch Literatur zu dieser Erkrankung vor, die Vorhersage beruht nur auf der Modellrechnung (L5). Der hohe Wert spiegelt vermutlich die anatomische Nähe zum Kolorektalkarzinom wider und keinen Wirkmechanismus.


Kurzübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Metastasiertes kolorektales Karzinom, metastasiertes Magenkarzinom
Vorhergesagte neue Indikation Zäkum-Zottenadenom (cecum villous adenoma)
TxGNN-Vorhersagewert 99,99 %
Evidenzniveau L5
Marktstatus Schweiz Im Handel
Anzahl Zulassungen 1
Empfohlene Entscheidung Abwarten

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Tipiracil hemmt die Thymidinphosphorylase. In Lonsurf schützt es den Kombinationspartner Trifluridin, einen zytotoxischen Nukleosidanalogon-Wirkstoff, vor dem raschen Abbau. Zum ursprünglichen Wirkmechanismus liegen in den zusammengestellten Daten keine Angaben vor.

Die ursprüngliche Indikation (kolorektales und gastrisches Karzinom) und das vorhergesagte Zottenadenom liegen im selben Organ. Das Adenom gilt als Vorstufe des Kolonkarzinoms. Ein plausibler Mechanismus lässt sich daraus aber nicht ableiten: Ein gutartiges Adenom ist kein sinnvolles Ziel für eine zytotoxische Therapie bei fortgeschrittener Erkrankung. Der hohe Vorhersagewert beruht wahrscheinlich auf der Nähe der Krankheitsbegriffe im Wissensgraphen, nicht auf einem biologischen Zusammenhang.

Auch die übrigen Top-10-Vorhersagen betreffen überwiegend gutartige Kolonläsionen (z. B. Lipom, Leiomyom, Lymphangiom, Hämangiom) oder Begriffe, die bereits unter die bestehende Indikation fallen (z. B. Neoplasie am rektosigmoidalen Übergang). Für keine davon liegt Evidenz vor.


Klinische Studien

Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert


Literaturbelege

Derzeit keine verwandte Literatur verfügbar


Marktinformationen Schweiz

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
66219 Lonsurf 15 mg/6.14 mg, Filmtabletten Synthetika Metastasiertes kolorektales Karzinom, metastasiertes Magenkarzinom

Zulassungsinhaberin: Servier (Suisse) SA.


Zytotoxizität

Tipiracil selbst ist ein Thymidinphosphorylase-Hemmer. Es wird jedoch ausschliesslich mit dem zytotoxischen Trifluridin kombiniert eingesetzt.

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Konventionell zytotoxisch (Kombination mit Nukleosidanalogon Trifluridin)
Myelosuppressionsrisiko Hoch (Leukopenie und Neutropenie sind bekannte Nebenwirkungen der Kombination)
Überwachungspunkte Blutbild; Leber- und Nierenfunktion gemäss Fachinformation

Sicherheitshinweise

Aus den Daten für diesen Bericht liegen keine Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Fachinformation vor. Bitte beachten Sie dazu die Fachinformation.

  • Arzneimittelwechselwirkungen: Es wurden 14 Einträge gefunden. Für 13 davon ist die Einstufung «mittel» (moderat):
    • Cimetidin
    • Tafenoquin
    • Ketoconazol
    • Brigatinib
    • Crizotinib
    • Encorafenib
    • Ethinylestradiol
    • Lenvatinib
    • Medroxyprogesteronacetat
    • Megestrolacetat
    • Ribociclib
    • Rucaparib
    • Vandetanib

    Der 14. Eintrag betrifft eine pharmakologische Zielstruktur (CoV-Nichtstrukturprotein 15) und ist keine klinische Wechselwirkung.

  • Hinweise aus der Literatur (Einzelfälle): Ein Fallbericht beschreibt eine leukozytoklastische Vaskulitis mit spät auftretender Purpura Schönlein-Henoch nach Trifluridin/Tipiracil.

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Abwarten

Begründung:

  • Für das Zäkum-Zottenadenom gibt es weder klinische Studien noch Literatur und keinen plausiblen Mechanismus. Der hohe Modellwert spiegelt vermutlich die Nähe zum Kolorektalkarzinom wider (Evidenzniveau L5).
  • Die Daten zu Warnhinweisen und Kontraindikationen fehlen noch. Die Sicherheitsprüfung kann daher nicht abgeschlossen werden.

Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:

  • Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Swissmedic-Fachinformation (Download und Auswertung des PDF)
  • Angaben zum Wirkmechanismus aus DrugBank
  • Eine gezielte Literatur- und Studienrecherche zu den vorhergesagten Erkrankungen
  • Eine fachliche Prüfung, ob eine zytotoxische Therapie bei gutartigen Läsionen überhaupt vertretbar wäre, sowie eine Prüfung der Anwendungsweg-Kompatibilität

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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