Trandolapril
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 6 |
Inhaltsverzeichnis
Trandolapril: Von arterieller Hypertonie zu maligner hypertensiver Nierenerkrankung
Zusammenfassung
Trandolapril ist in der Schweiz als kombiniertes Antihypertonikum (Tarka, Filmtabletten) zugelassen. Das Modell sagt voraus, dass es auch bei maligner hypertensiver Nierenerkrankung wirksam sein könnte. Diese Vorhersage beruht ausschliesslich auf einem Rechenmodell; klinische Studien oder Literatur zu dieser Indikation liegen nicht vor.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Kombiniertes Antihypertonikum |
| Vorhergesagte neue Indikation | Maligne hypertensive Nierenerkrankung |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,9 % |
| Evidenzniveau | L5 (nur Modellvorhersage) |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 1 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Trandolapril gehört zu den ACE-Hemmern. Zum Wirkmechanismus liegen in den zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Aus der Wirkstoffklasse ergibt sich jedoch, dass das Renin-Angiotensin-System gehemmt wird und dadurch der Blutdruck sinkt.
Die ursprüngliche Indikation (Bluthochdruck) und die vorhergesagte Indikation (maligne hypertensive Nierenerkrankung) hängen eng zusammen: Bei der malignen Form schädigt stark erhöhter Blutdruck die Nierengefässe, wobei Angiotensin II eine Rolle spielt. Eine Hemmung dieses Systems könnte diese Gefässschädigung theoretisch verringern.
Der hohe Vorhersagewert ist jedoch eine reine Modellaussage. Direkte klinische Belege fehlen.
Weitere vorhergesagte Indikationen (ebenfalls nur Modellvorhersage):
- Maligne renovaskuläre Hypertonie (99,9 %): Der Mechanismus ist plausibel. Bei beidseitiger Nierenarterienstenose können ACE-Hemmer jedoch die glomeruläre Filtration verringern.
- Pulmonale Hypertonie (verschiedene Formen, 99,9 %): Nur theoretische Überlegungen, keine Belege. Für die Form infolge Lungenerkrankung und/oder Hypoxie liegen lediglich tierexperimentelle und kardiale Arbeiten vor (Evidenzniveau L4).
- Braddock-Syndrom (99,9 %): Kein klarer Mechanismus erkennbar.
- Chronische pulmonale Herzkrankheit (99,2 %): Eine einzelne tierexperimentelle Studie (L4).
Klinische Studien
Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert.
Literaturbelege
Für die Hauptvorhersage (maligne hypertensive Nierenerkrankung) ist derzeit keine Literatur verfügbar. Die folgenden Arbeiten gehören zu den nachrangigen Vorhersagen (pulmonale Hypertonie infolge Lungenerkrankung/Hypoxie bzw. chronische pulmonale Herzkrankheit). Es handelt sich ausschliesslich um Tier- oder Mechanismusstudien bzw. einen Einzelfallbericht.
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 8909991 | 1996 | Präklinisch (Hund, Hypoxiemodell) | General Pharmacology | Trandolapril plus Verapamil hemmte den durch Hypoxie nach Ischämie-Reperfusion ausgelösten Koronarspasmus. |
| 7511729 | 1994 | Präklinisch (Tier) | Journal of Cardiovascular Pharmacology | Trandolapril senkte bei alten spontan hypertensiven Ratten den Blutdruck um 15 % und beeinflusste Steifheit der linken Herzkammer sowie Koronarwiderstand. |
| 8989645 | 1996 | Präklinisch (Tier) | Journal of Cardiac Failure | Langzeitbehandlung mit Trandolapril wirkte auf die verstärkte Gefässverengung bei Ratten mit chronischer Herzinsuffizienz. |
| 9218195 | 1997 | Präklinisch (Tier) | Journal of Hypertension. Supplement | Untersucht wurde, ob die Kombination aus Verapamil und Trandolapril stärker wirkt als die Einzelstoffe. |
| 8166049 | 1994 | Übersichtsarbeit | American Journal of Cardiology | Beschreibt die molekularen Grundlagen der Rückbildung der Herzhypertrophie. |
| 17393952 | 2007 | Fallbericht (nicht zielgerichtet) | Journal of the National Medical Association | Schmerzen bei Sichelzellkrankheit verschwanden unter einem ACE-Hemmer. Für die vorliegende Fragestellung nicht relevant. |
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 55426 | Tarka, Filmtabletten | Synthetika | Kombiniertes Antihypertonikum |
Sicherheitshinweise
Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (aus Beziehungen zwischen Arzneimittel und Krankheit, nicht aus der Fachinformation). Dazu zählen unter anderem:
- Angioödem (auch erworben, hereditär und durch Renin-Angiotensin-System-Blocker ausgelöst)
- Nieren- und Lebererkrankungen
- Aortenstenose, Aortenklappenerkrankung
- Hypotone Kreislaufstörungen
- Hypertrophe Kardiomyopathie
- Nierenarterienverschluss
- Neutropenie, Agranulozytose
- Ventrikuläre Tachykardie, atrioventrikulärer Block
- Herzinsuffizienz
- Myasthenia gravis
Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 155 Wechselwirkungen erfasst. Die wichtigsten:
- Schwerwiegend (Major): Kaliumcitrat, Kaliumhydrogencarbonat (Risiko einer Hyperkaliämie)
- Mässig (Moderate), Auswahl: Metformin, Alogliptin, Glimepiride, Chlorpropamid, Canagliflozin, Dapagliflozin, Empagliflozin, Acetylsalicylsäure, Hydrocortison, Dexamethason, Betamethason, Triamcinolon, Budesonid, Bupropion, Morphin, Dronabinol, Picosulfursäure, Polyethylenglykol mit Elektrolyten
Die Angaben aus der Fachinformation zu Warnhinweisen und Kontraindikationen fehlen. Bitte beachten Sie die Fachinformation für Sicherheitsinformationen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Die Vorhersage stützt sich allein auf das Modell (L5), ohne klinische Studien oder Literatur. Zudem fehlen die Daten zur Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen), sodass die Sicherheitsprüfung nicht abgeschlossen werden kann.
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Swissmedic-Fachinformation (Download und Auswertung des PDF)
- Angaben zum Wirkmechanismus aus DrugBank
- Gezielte Literaturrecherche und klinische Daten zu maligner hypertensiver Nierenerkrankung
- Prüfung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses bei Nierenarterienstenose und eingeschränkter Nierenfunktion
- Klärung der Zulassungs- und Darreichungsform (die Fixkombination Tarka enthält zusätzlich einen weiteren Wirkstoff, was bei einer Umwidmung zu berücksichtigen ist)
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.