Tryptophan
| Evidenzniveau: L3 | Vorhergesagte Indikationen: 8 |
Inhaltsverzeichnis
Tryptophan: Von parenteraler Ernährung zu Restless-Legs-Syndrom
Zusammenfassung
Tryptophan wird in der Schweiz als Aminosäure-Bestandteil von Infusionslösungen zur parenteralen Ernährung sowie in einer Peritonealdialyselösung eingesetzt. Aufgrund einer Modellvorhersage könnte es bei Restless-Legs-Syndrom (RLS) wirksam sein. Die Evidenz ist dünn: Es liegen nur wenige kleine, ältere Studien vor, keine registrierten klinischen Studien, und die Wirkrichtung ist unklar.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Parenterale Ernährung; Peritonealdialyselösung |
| Vorhergesagte neue Indikation | Restless-Legs-Syndrom |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,7 % |
| Evidenzniveau | L3 |
| Marktstatus Schweiz | Im Handel |
| Anzahl Zulassungen | 8 |
| Empfohlene Entscheidung | Abwarten |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus von Tryptophan liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Bekannt ist, dass Tryptophan eine essenzielle Aminosäure und Vorstufe von Serotonin und Melatonin ist. Diese Botenstoffe stehen in Wechselwirkung mit dopaminergen und eisenabhängigen Signalwegen, die bei RLS eine Rolle spielen.
Die ursprüngliche Indikation (Ernährung) und die neue Indikation (RLS) sind nur indirekt verwandt: Tryptophan wird dort als Nährstoffbaustein eingesetzt, bei RLS dagegen als möglicher Modulator von Neurotransmittern. Eine Arbeit von 1986 (PMID 3953904) und eine von 1987 (PMID 3659737) untersuchten L-Tryptophan bei RLS bzw. periodischen Beinbewegungen. Beide sind klein und alt.
Die Wirkrichtung ist unklar. Serotonerge Antidepressiva können RLS und andere Bewegungsstörungen verschlechtern (PMID 32546134). Eine Erhöhung des serotonergen Tonus könnte daher auch nachteilig sein.
Klinische Studien
Derzeit keine verwandten klinischen Studien registriert.
Literaturbelege
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Wichtige Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 3953904 | 1986 | Klinische Studie (klein, alt) | The American Journal of Psychiatry | Untersuchung von L-Tryptophan bei RLS; kein Abstract verfügbar. |
| 3659737 | 1987 | Klinische Studie | Sleep | Periodische Beinbewegungen im Zusammenhang mit L-Dopa, 5-Hydroxytryptophan und L-Tryptophan; kein Abstract verfügbar. |
| 33836477 | 2021 | Systematische Übersicht/Meta-Analyse | Sleep Medicine Reviews | RLS bei chronischer Lebererkrankung; Tryptophan-Erhöhung als möglicher Faktor (indirekt). |
| 32546134 | 2020 | Pharmakovigilanzstudie | BMC Psychiatry | Antidepressiva-assoziierte Bewegungsstörungen; Sicherheitssignal (indirekt). |
| 36897462 | 2023 | Fallserie/genetische Studie | Neurological Sciences | RLS bei DNAJC12-Mangel mit gestörter dopaminerger und serotonerger Neurotransmission (indirekt). |
| 1305630 | 1992 | Übersichtsarbeit | International Journal of Neuroscience | L-Tryptophan bei neuropsychiatrischen Erkrankungen; Rolle von Serotonin bei Bewegungsstörungen. |
Marktinformationen Schweiz
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| 55337 | Aminoven 5 %, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 54850 | Aminoven infant 10%, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 52459 | Nutrineal PD 4 mit 1.1% Aminosäuren, Peritonealdialyselösung | Synthetika | Peritonealdialyselösung |
| 65450 | Aminoplasmal B. Braun 10%, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 65726 | Omegaflex special ohne Elektrolyte, Emulsion zur Infusion 625 ml | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 66859 | SmofKabiven special EF 1012 ml, Infusionsemulsion | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 59377 | OLIMEL 4,4 % ohne Elektrolyte, Infusionslösung | Synthetika | Parenterale Ernährung |
| 62283 | SmofKabiven EF, Infusionsemulsion 986 ml | Synthetika | Parenterale Ernährung für Erwachsene |
Sicherheitshinweise
- Mögliche Kontraindikationen (aus einer Wissensdatenbank, nicht aus der Fachinformation): Autoimmunerkrankungen, systemischer Lupus erythematodes (auch pädiatrisch), Angststörung, neurotische Störung, dysthyme Störung, Schizophrenie, Phenylketonurie und andere Störungen des Phenylalanin-Stoffwechsels, Eosinophilie-Myalgie-Syndrom (einschliesslich der mit Tryptophan assoziierten Form).
- Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt 17 Wechselwirkungen erfasst.
- Schwerwiegend (Major): Lorcaserin, Dolasetron, Palonosetron, Ondansetron, Fenfluramin, Granisetron, Sibutramin, Methylenblau, Doxepin (auch topisch), Procarbazin.
- Mittelschwer (Moderate): Morphin, Codein, Hydrocodon, Cyproheptadin, Ozanimod, Ifosfamid.
- Viele dieser Kombinationen betreffen serotonerge Wirkstoffe; ein Serotonin-Syndrom ist daher zu beachten.
Die Angaben aus der Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen) fehlen. Bitte beachten Sie die Fachinformation für Sicherheitsinformationen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Abwarten
Begründung:
- Der Vorhersagewert ist hoch, die Evidenz aber beschränkt sich auf wenige kleine, über 35 Jahre alte Studien ohne verlässliche Wirksamkeitsdaten. Die Wirkrichtung ist unklar, da eine Verstärkung der serotonergen Signalwirkung RLS auch verschlechtern könnte.
- Hinzu kommen viele relevante Wechselwirkungen und mögliche Kontraindikationen.
Um fortzufahren, wird Folgendes benötigt:
- Fachinformation von Swissmedic (Warnhinweise und Kontraindikationen) auswerten, da diese Sicherheitsprüfung derzeit blockiert ist.
- Wirkmechanismus aus DrugBank ergänzen.
- Originalpublikationen von 1986 und 1987 beschaffen und Design, Teilnehmerzahl und Ergebnisse prüfen.
- Kontrollierte Studien zu Tryptophan bei RLS suchen oder planen.
- Prüfen, ob eine für RLS geeignete orale Darreichungsform nötig ist, da die zugelassenen Produkte Infusionslösungen sind.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.